Als Kay und ich uns 2001 zum ersten mal trafen, war es wie in einer von diesen No-Limit-Händen, in denen beide Spieler so schnell all-in gehen, dass man hinterher kaum noch sagen kann, wer erhöht und wer gecallt hat. Ein Jahr später waren wir immer noch ganz verrückt auf einander und in 2005 heirateten wir schließlich.
Kay kam nicht durchs Pokern zu mir. Sie spielt kein Poker und sie hat es nie getan. Und ich? Ich spiele Poker, denke über Poker nach und ich schreibe über Poker. Die restliche Zeit verbringe ich mit Kay. Dann rede ich über Poker. Sie nennt es mein "bla bla".
Kay hört sich nicht nur mein "bla bla" an, sie versteht es und gibt mir ein vereinfachtes und abgeklärtes Feedback, wie es nur ein Nicht-Pokerspieler kann. Ihre auserlesenen Worte sind ein Mem, wenn ich sie zu Papier bringe.
Neben all dem "bla bla" hat sich Kay über die Jahre auch an das gewöhnt was sie das "Schreien" nennt. Das "Schreien" ist, wenn ich am Telefon mit einem anderen Pokerspieler im Fachjargon Hände analysiere. Natürlich kommt es mir nicht so vor, als würde ich wirklich dabei schreien. Ich denke, ich spreche bloß mit Begeisterung. Wenn ich auflege und sie zu mir sagt, "Wen hast Du heute angeschrien?" müssen wir beide lachen und ich merke, dass ich wohl doch ein bisschen laut war.
Zwischen dem "bla bla" und dem "Schreien" hat Kay soviel übers Pokern gelernt, dass sie mittlerweile für mich einspringen könnte. Das hat sie tatsächlich auch einmal getan. Das war, als mein Freund Alex einen extrem großen Bad Beat hinnehmen musste, zur schlechtmöglichsten Zeit am schlechtmöglichsten Tisch gegen den schlechtmöglichsten Spieler und es war einfach eine furchtbare Sache. So furchtbar, dass er mich anrief, um mir davon zu erzählen. Kay ging ans Telefon.
"Hi Kay, hier ist Alex. Ist Tommy da?"
"Nein, er ist nicht hier."
Alex seufzte. "Mann. Du wirst mir nicht glauben, was mir eben passiert ist. Ich hatte Pocket Asse und der Typ, der mir schon die ganze Nacht meine Chips abnahm, callte drei cold..."
Es machte keinem von den beiden etwas aus, dass die strategischen Details, die Alex erwähnte, Kay gegenüber vergebene Liebesmüh waren. Er beschrieb den Bad Beat in allen verdammten Einzelheiten, so als würde er mit mir sprechen. Kay übernahm meine Rolle makellos, indem sie mitfühlende Töne an den angebrachten Stellen von sich gab.
Kay sieht nicht aus wie Howard Cosell. Aber sie ähnelt ihm in anderen Punkten. Kay ist genauso ein Poker-Experte wie Howard Cosell ein Box-Experte war. Howard kannte das Boxen, er kannte das Geschäft, er kannte die Sprache und kannte die Leute. Aber er boxte nie. Er lebte in der Arena aber außerhalb der Ringseile. Und genau da lebt auch Kay in Bezug auf Poker, dadurch, dass sie mit mir zusammen lebt.
Kay auf Bereitschaft
Ich wollte gerade zum Poker in einem nahen Casino. Ich hatte nicht so gut geschlafen, aber ich hatte einen Spaziergang gemacht und geduscht und dachte, es würde schon gehen. Ich war schon an der Tür, um mich von Kay zu verabschieden, als ich herzhaft gähnte.
Kay fragte, "Willst Du wirklich so müde zum Poker gehen?"
Und ich: "Ja"
Und sie sagte, "Gut, Du musst wissen, ob Du bereit bist, zu spielen oder nicht. Ich sage bloß, dass es niemals falsch ist, nicht zu spielen."
:::Es niemals falsch, nicht zu spielen. :::
:::Es niemals falsch, nicht zu spielen. :::
Ich ließ diese Worte eine Sekunde auf mich wirken. Dann ging ich zu meinem Schreibtisch, schrieb sie auf und blieb daheim.
Kay über Poker, das Leben und alles mögliche
Es war ein Samstag morgen. Kay kam gut gelaunt nach Hause und sagte "Heute habe ich eine Pokerweisheit weitergegeben." Ich wusste, dass sie bei einem Radiosender freiwillig am Telefon gearbeitet hatte, um Spenden für den Sender anzunehmen. Ich fragte mich, welche Weisheit sie wohl weitergegeben hatte. "Danke, dass sie dem öffentlichen Sender Geld gespendet haben", konnte ich sie sagen hören. "Und weil ich Sie gerade am Telefon habe, empfehle ich Ihnen, ein bisschen mehr Wert auf ihre Game Selection zu legen."
"Na los!", sagte ich "Lass mal hören!"
"Zwischen zwei Anrufen", sagte sie, "quatsche ich mit anderen Mitarbeitern. Die meisten waren Männer. Wir sprachen darüber, was unsere Partner beruflich machen. Ich erzählte, dass mein Mann ein professioneller Pokerspieler ist und natürlich gab es eine Menge Fragen deshalb.
"Ein Mann sagte, 'Ich wette Du bist selbst eine gute Pokerspielerin. Kannst Du uns nicht ein paar Tipps geben?'"
"Als ich ihm sagte, dass ich kein Poker spiele, sagte er, 'Aber Du musst doch einiges aufschnappen, wenn Du mit einem Poker Profi zusammen lebst. Gibt es keinen Tipp, den Du uns geben kannst?'"
"Zu diesem Zeitpunkt hörten etwa zehn Leute unserem Gespräch zu. Und ich hatte das Wort. Also musste ich etwas wirklich Weises und Nützliches finden, das ich ihnen mitteilen konnte. Und dann hatte ich es.
"'Spielt weniger Hände', sagte ich."
Dann sah Kay mich an. "Richtig, oder?"
Sie fragte mich, ob ich glaubte, dass sie einen guten Ratschlag erteilt hätte. Sie hatte die bedeutendsten Wahrheiten aus mehreren Generationen genommen und diese in nur 3 Worte verpackt. Und jetzt wollte sie wissen, wie ich darüber dachte.
Ich griff nach einem Stift und sie wusste bescheid.
Tommy Angelo ist ein Vollzeit-Profi seit 1990. In 2004 entwickelte er ein reichhaltiges Trainingsprogramm für einen Trainer und einen Schüler von Angesicht zu Angesicht. In den darauf folgenden 3 Jahren hatte er über 50 Kunden. Im Juni beendete er alle anderen Aktivitäten, um ein Buch zu schreiben. Sein Buch, "Elements of Poker", wird im Oktober 2007 erscheinen. Details zu Tommy's Trainingsprogramm findet ihr auf seiner Website: www.tommyangelo.com
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