Ich bekomme meine besten Reads, wenn ich raise. Wenn ich zum Beispiel KQ Herz halte und den Second Nut Flush am River treffe - backdoor, heads up, bei einem ungepaarten Board - und der andere Typ bettet, ich raise, er reraist, ich rereraise und er rerereraist, naja, dann fange ich ungefähr an zu denken, er könnte eventuell vielleicht wahrscheinlich auf jeden Fall die Nuts haben, vielleicht.
Dieses Gabe zu einem genauen Read ist nicht einfach so passiert, sondern mich hat ein Gedankenprozess geleitet. In dieser Hand geht das ungefähr so:
Er bettet. Normalerweise bedeutet das, dass der Typ hoechstwahrscheinlich noch beide Karten auf der Hand hat.
Mein Raise: Ich liebe Poker.
Sein Reraise: Ich hab ihn schon einmal am River ohne die Nuts reraisen sehen, irgendwann letztes Jahr. Ich bin auf jeden Fall nicht überzeugt von ihm.
Mein Rereraise: Für den Fall, dass er Zweifel an meinen Zweifeln hat.
Sein Rerereraise: Es bleibt jetzt nur noch eine Moeglichkeit uebrig: Er hat seine Hand verwechselt, er hat vielleicht das Herz Ass und den Karo Bube oder andersrum. Das geht zurueck auf etwas, dass mir mal ein kluger No-Limit Spieler (Walt Z) gesagt hat: "Wenn du dabei bist, eine große Riverbet zu callen, versuche immer, den Gegner auf eine Hand zu setzen, die du schlagen kannst." Dieser Gedankengang kommt auch in eingeschraenkter Weise beim Limit Poker zum Tragen.
(Übrigens, wenn ich den anderen in so einer Situation ausbezahle und die Nuts anglotzen muss, rechne ich mir gerne die Mathematik hinter der Aktion aus, so dass ich mich nicht ganz so doof viele, wenn ich der Bloedmann am Tisch bin. Wenn ich zu 99,9% sicher bin, dass ich geschlagen bin, und der Pot mir sagen wir Odds von 15:1 bietet, dann verliere ich ja eigentlich nur in 7% der Faelle wirklich etwas.
Reads am Tisch
Okay, vielleicht bin ich nicht so toll darin, Hands zu lesen. Deshalb musste ich unbedingt etwas anderes finden, was mir irgendwie hilft.
Alle versuchen stets, Leute zu lesen. Kinder tun das, Erwachsene auch, man, sogar Hunde! Wir koennen nichts dagegen machen. Die Fähigkeit, andere zu lesen, ist in unseren Genen. Wie wenn man zum Beispiel eine Woche nach dem Zahltermin fuer die Miete vom Vermieter gefragt wird, ob man schon diesen neuen Job bekommen hat. Hier ist es leicht: Mach dir Sorgen. Oder wenn dich ein Taxifahrer nach den Namen der Seitenstraßen fragt: Auch hier liegt nichts Gutes in der Luft. Oder wenn man einen riesigen Chipstapel vor sich auf dem Pokertisch hat und ein Freund auf wundersame Weise neben dem Tisch auftaucht und plötzlich ganz nervös mit Small Talk auf der Toilette anfängt. Das bedeutet, dass er Angst hat, seine Chance zum "Kannst du mir was leihen?" fragen zu verpassen, bevor du fertig uriniert hast.
Indem ich meine Sinne am Pokertisch geschmeidig halte, kann ich periphere Informationen einsammeln, um die Tendenzen meines Gegners herauszufinden. Oder ich beobachte einfach das Spiel. Aber wie langweilig! Ich lerne lieber daraus, wie Leute essen, trinken, etwas lesen, hoeren oder anschauen. Wenn das nicht klappt, fuehren wir wenigstens ein angenehmes Gespraech. Das hier habe ich bisher herausgefunden:
Was sie sich anschauen:
- Spieler, die zugeben, Baywatch zu schauen, sind ehrlich. Wenn sie raisen, folde.
- Spieler, die sagen, dass sie Baywatch noch nie gesehen haben, sind faehig sich selbst zu ueberzeugen, dass sie dich von allem ueberzeugen koennen. Wenn sie raisen, reraise.
- Spieler, die wirklich noch nie Baywatch gesehen haben, sind meistens weak-tight.
Was sie essen:
- Spieler, die Rippchen mit Ketchup essen, koennten preflop mit 9-7 raisen. Wenn sie am Turn raisen, rate.
- Spieler, die Salate ohne Dressing essen (oder vor dem Dressing), sind eher passiv. Raise die Stakes.
Was sie trinken:
- Spieler, die ihr Wasserglas zurueckschicken, weil sie es ohne Limette haben wollten, denken haeufig, dass ihr top pair eine schlechte Hand ist. Wenn sie den Turn callen, checke am River.
- Kaffeeopfer aendern die Gangart so oft, dass sie zu ADAC-Parties eingeladen werden. Wenn sie raisen, musst du drosseln
Was sie lesen:
- Spieler, die ganz nonchalant ihr Wall Street Journal weiterlesen, nachdem sie einen Bad Beat kassiert haben, sind kurz vor dem Tilten. Wenn sie raisen, ducke dich
Was sie hoeren:
- Spieler, die "The Who" hoeren, reraisen sogar mit 9-7 preflop. Wenn sie im Pot sind, regel die Lautstaerke hoch.
Und denke dran:
- Kritisiere niemals jemanden, bevor du nicht eine Meile in seinen Schuhen gelaufen bist. Auf diese Weise bist du eine Meile von ihm weg und hast seine Schuhe.
Tommy Angelo has been a full-time professional poker player since 1990. In 2004, he developed a comprehensive, one-on-one, face-to-face coaching program. Over the next three years, he took on 50 clients. In June of 2006 he stopped everything to write a book. His book, “Elements of Poker,” will be out in October of 2007. Details of Tommy’s coaching program are at his website: www.tommyangelo.com
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