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Manchmal muss man einfach pleite gehen....

Es gibt Zeiten beim Poker, in denen das Schicksal bereits schon bestimmt ist, während der Dealer die Karten austeilt.

In diesen (schlechten) Zeiten, erhälst du beispielsweise K-K und läufst damit in A-A. Passiert! Du denkst über die Hand nach und fragst dich, ob es möglich gewesen wäre, das Pleite-gehen zu verhindern.

Bis auf wenige Ausnahmen lautet die Antwort "nein". Als Pokerspieler akzeptiert man, ja man weiss es sogar, dass man hier und da mal Pech hat, und das es echte Pechsträhnen gibt. Wenn du z.B. ein Set Buben flopst und in ein Set Damen läufst, findest du dich damit ab, dass du auf jeden Fall mit dieser Hand pleite gehen wirst. Vergiss auf jeden Fall, irgendwelche super-Hände wegzuschmeissen, denn dazu sind nur einige wenige Leute in der Lage.

Du und ich, wir gehören jedenfalls nicht dazu. Das erste Mal, als ich mit Königen in Asse gerannt bin, war eine schmerzhafte, in Erinnerung bleibende Erfahrung. Nur noch 10 Spieler waren drin in diesem 220 $-Casino Buy-In Turnier, die ersten 9 Plätze bezahlt. Dann saß ich im Big Blind und der Spieler auf dem cut-off Platz (neben dem Button) macht eine Standarterhöhung. Der Small Blind callte, nachdem er sich kurz seine Karten anschaute, und ich zögerte nicht all-in zu sagen, als ich meine zwei roten Könige sah.

Ich war sehr verwüstet, als der Small Blind zwei Asse, pocket rockets, zeigte. Er kickte mich kurz vor den Auszahlungsrängen raus und ich schied als Zehnter aus. Zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht einmal shortstacked. Auf dem Nachhauseweg überlegte ich, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gegeben hat, an dieser Hand nicht pleite zu gehen. Mit der Art und Weise, mit der ich das Spiel Poker heute mittlerweile sehe, wird mir bewusst, dass ich nie wieder über so etwas nachdenken werde - es sind einfach die Dinge, die beim Poker passieren!

Ich erinnere mich daran, wie ich diese Geschichte mit den Assen und Königen einem Freund erzählte, und zufälligerweise auch noch, dass ich doch noch nie mit einem Set gegen ein höheres Set verloren habe. Natürlich erlebte ich diesen Meilenstein eine Woche später, als mein Drilling 10er in drei Könige läuft. Ich wurde wieder einmal rausgeworfen, kurz vor den Auszahlungsrängen.

Ich wärme diese Anekdoten wieder auf, weil eine bestimmte Hand jüngst in einem Onlineturnier erinnert mich an die altbekannte Pokermaxime "Manchmal musst du einfach pleite gehen", die jeder Pokerspieler beherzigen sollte. Manchmal passiert es vor dem Flop, aber diesmal war es nach dem Flop.

Ich spielte ein Sit-and-Go, 1 Tisch, und der Spieler zu meiner rechten (ich war im Big Blind, also der Small Blind) erschien mir als relativ schwacher, konservativer Spieler. Er erhöhte nie, wenn alle zu ihm foldeten und er den Big Blind angreifen konnte, und wenn er am Flop setzte, hatte er mindestens Top Pair. Ich wusste das, weil er immer seine Karten zeigte, wenn ich foldete. Natürlich konnte ich jedes mal den Pot mitnehmen, wenn er am Flop checkte und ich daraufhin anspielte. Dieser Junge war das A, B, und C der ABC-Pokerspieler!

Ohne Witz, ich respektiere die konservativen Spieler - ich bin quasi selber ein Geizkragen - weil diese Art von Spieler so selten zu finden ist. Aber wo er konservativ mit seinen Chips war, war er umso redefreudiger mit seinem Mund. Jedes Mal, wenn eine Hand zu sehen war, war er normalerweise zur Stelle und kritisierte den Spieler mit der Verliererhand in dem Nachrichtenfenster mit einem Kommentar über sein schlechtes Spiel. Einmal, als 6 Spieler vor dem Flop callten, Blinds 15-30, ging ein viel-spielender, aggressiver Spieler aus dem Big Blind heraus all-in. Der Spieler auf dem Button callte mit A-J suited und der "verrückte" zeigte Q-9 in herz.

Ass und Bube hielten, aber der redefreudige, schlechte Spieler nannte beide "Donkeys", weil sie die Hand schlecht gespielt haben. Normalerweise würde ich dem sogar zustimmen, denn ein all-in mit 1500 Chips zu callen mit A-J, wenn 30 im Pot sind, ist wirklich schlecht; aber wenn man das Spiel dieses Verrückten berücksichtigt, kann man sagen, dass es ein guter Call war. Er dachte sicherlich, mit A-J hält er die beste Hand, was auch der Fall war, und wir alle waren nicht erfreut zu sehen dass er so früh im Wettbewerb den Tisch überrannte.

Auch der "schlechte konservative" Spieler meldete sich zu Wort und dies stellte auch den Hintergrund der Schlüsselhand zwischen ihm und mir dar.
Runter auf 900 Chips bei Blinds 50-100, callte er erneut aus dem Small Blind heraus, als alle foldeten. Ich schaute meine Hand an und sah zwei rote Könige, woraufhin ich entschied, eine kurze Pause einzulegen, bevor ich den "Erhöhen"-Knopf drücke. Dieser Spieler war so konservativ, dass ich damit rechnete, dass er noch nicht einmal eine Mini-Erhöhung callen würde. Ich entschied, ein kleines Risiko einzugehen und checkte, in der Hoffnung, dass er ein wenig am Flop trifft. Der Flop war J-10-3 mit zwei Herzen; kein grandioser Flop, aber auch kein sehr bedrohlicher.

Der Konservative checkt und ich setze 100$, das Minimum. Dann kam natürlich das Unerwartete, er tat etwas, was er bisher noch nicht gemacht hat - er machte ein check-raise auf 400$. Fantastisch. Dieser Junge raist keine einzige Hand das ganze Spiel über, noch weniger hat er jemanden gecheck-raised. Irgendwas gab mir zu denken, ich geriet in Probleme... wie auch immer, er kann hier genauso J-9 oder Q-J oder irgendeine Top-Pair-Hand halten und glauben, dass sie gut wäre. Vielleicht wollte er auch beweisen, dass man ihn nicht jedesmal aus dem Pot rauskicken kann.

Mein zweiter Gedanke war, dass ich geschlagen bin. Aber er hat nur noch 400$ übrig, ich habe ihn gecovered, und wenn ich Pocket Könige bei diesem Flop gegen so einen Spieler in einem Heads-Up Pot wegwerfe, würde ich in mind. 95 Prozent der Fälle einen Fehler machen. Also mache ich einen reraise, damit er all-in ist; ich wusste dass er auf jeden Fall callen würde, egal was er hat. Fröhlich zeigt er mir sein Set 3er (natürlich konnte ich seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen, aber ich konnte es mir förmlich vorstellen), und er sah es bestimmt schon kommen, dass er verdoppeln würde.

Ich bin mir sicher, seine Ekstase verwandelte sich in Schmerz, als der Turn, eine Dame, und der River, ein Ass, kamen und mir zur runner-runner Straße verholfen haben und er damit rausflog. Für mich war es das beste Beispiel, wie man das ganze Geld mit ein wenig Poker-Schicksal gewinnt, dazu machte ich einen Kommentar "Starke Hand, keiner von uns beiden könnte was dagegen tun", als die virtuellen Chips zu meinem Avatar wanderten.

Es lag in seiner Natur, dies zu kritisieren. Er fuhr fort und nannte mich einen "Donkey", ein Idiot, der nicht weiss wie man Pocket Könige spielt, usw., und blieb dabei, dass mein schlechtes Spielen belohnt wird und er doch der unglücklichste Spieler sei, der jemals gelebt hat.

Ja ok, dass sein Set geknackt wurde war unglücklich - aber was ist mit den Königen, die zu 80 Prozent vorne lagen und unglücklichweise geknackt wurden? Also wie könnte die Hand anders ausgehen, als geschehen?

Das Ganze Geld hätte eigentlich schon vor dem Flop in die Mitte wandern müssen. Viele Spieler erhöhen aus dem Small Blind heraus mit einem Pocket Paar, und ich habe noch nicht viele Spieler gesehen, vor allem nicht online, die jemals ein Pocket Paar bei einem Blind-gegen-Blind gefoldet haben, geschweige denn als Shortstack.

Die häufigste Methode für diese Hand wäre, aus dem Small Blind heraus all-in zu gehen (und in der Regel sofort gecallt zu werden), oder eine Erhöhung zu starten, woraufhin ein Re-raise kommt um dann all-in zu gehen. Es gibt nur einige wenige Spieler auf der Welt, die in der Lage sind, diese Hand bei einem Re-raise in der Situation zu folden. Ich mit auf jeden Fall nicht unter diesen Spielern. Der einzige Unterschied in dieser Hand ist, dass er einen Traum-Flop trifft und das sein konservativer Stil ihn dann oft auszahlt.

Meine Meinung ist, dass "schlechte konservative" Spieler es nicht auf die Reihe kriegen. Es war quasi festgelegt, dass er mit dieser Hand pleite gehen wird, er wusste es lediglich nicht. Ich an seiner Stelle würde meinen Gegner nicht dafür beschuldigen, mit 2 Königen all-in zu raisen bei dem Flop, und wenn er seine Karten umdreht, würde ich respektieren dass der Flop ziemlich unglücklich für ihn ist. Bei dem Ausgang der Hand wäre ich auch ein wenig schadenfroh, aber ich wüsste dass es keinen Weg gegeben hätte, dies zu vermeiden.

Der schlechte konservative Spieler war mehr daran beschäftigt, mich als einen Idioten zu beschimpfen, als die Logik in dem zu hören, was ich sage. Aber wenn er das hier liest, wird er vielleicht weniger Zeit damit verbringen, sein Pech zu bejammern und vielleicht lernen mit dem unvermeidlichen Schicksal von Poker umzugehen!

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