Andy Beal will herausfinden, ob er das Zeug dazu hat, es mit den besten Pokerspielern aufzunehmen und zwar in einem Pokerspiel mit den höchsten vorstellbaren Stakes.
Während er das heraus finden will, lernt der Milliardär eine Menge über das Spiel, sammelt unvergessliche Erfahrungen, rüttelt die Pokerwelt auf und verschafft dem Autor genügend Material, um ein sehr unterhaltsames Buch zu schreiben, welches den Weg und die harten Prüfungen des Milliardärs beschreibt.
Der erfahrene Gaming-Author Michael Craig erzählt in "The Professor, the Banker and the Suicide King" die faszinierende Geschichte eines der reichsten Männer der USA, der vom Poker-Virus infiziert wird und welche verrückten Dinge sich daraus entwickeln.
Es gab viel Aufheben um den Titel des Buches, teilweise auch deshalb, weil Craig in seinem Buch nicht mitteilt, wer der "Suicide King" ist. Es ist nicht besonders schwierig, die anderen beiden Teile des Buchtitels Personen zuzuordnen. Howard Lederer ist der Professor und Beal ist natürlich der Banker. Wenn ihr mich fragt, ist es vollkommen unwichtig und irrelevant, wer der "Suicide King" sein soll.
Eine weit vertretene Theorie unter den Poker Pros und in den Medien ist, dass Ted Forrest dieser Charakter sein soll. Die wahrscheinlichere Erklärung ist jedoch, dass der "Suicide King" ein Symbol für die eigenen Poker-Erfahrungen des Authors ist. Wenn ihr das Buch aufmerksam lest, wird euch auffallen das Craig die Karte, die den verdrießlichen Herz-König (=Suicide King) zeigt, zweimal in Zusammenhang mit Pokerpartien nennt, an denen er selbst teilgenommen hat.
Nicht, dass dies von Bedeutung wäre. Selbst, wenn es fast den Anschein hat, dass die Diskussionen um den Buchtitel die faszinierenden Charakterstudien überschattet, die das Buch bietet. Zum Beispiel: Was treibt Beal, dessen wirtschaftlicher Scharfsinn und finanzielle Disziplin ihn in die Lage versetzt haben, Reichtümer anzuhäufen, dazu an, Millionen von Dollar zu verschleudern? Und das in einem Spiel, in dem er unerfahren ist und außer seiner enormen Bankroll keine Vorteile vorzuweisen hat.
Andersherum gefragt: Was bringt die Poker Pros, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dann zu spielen, wenn alle Vorteile auf ihrer Seite sind, dazu, die Herausforderung Beals anzunehmen und mit solch unchristlich hohen Stakes zu spielen, dass eine Strähne schlechter Karten ein paar Tage in Folge den finanziellern Ruin der Spieler bedeutet?
Das Motiv für die Spieler ist in beiden Fällen ein mysteriöser X-Faktor. Die meisten würden sagen, es geht um Geld. Für Beal, einen Immobilien-Magnaten, war das Geld sicher nicht der Grund. Für die Poker Pros war Geld sicherlich der ursprüngliche Grund. Doch später verbessert sich das Spiel Beals enorm und die Sessions, die der Amateur gewinnen kann hinterlassen deutliche Spuren in der Bankroll der Profis und die Aussicht weitere Big Bets an ihn zu verlieren, was ernste Konsequenzen hätte, drängt sich immer mehr auf.
Eins ist sicher: Nachdem Beal die Pros herausgefordert hat, gibt keine der beiden Seiten nach und so kommt es zu gewaltigen Feuerwerken an den Tischen im Bellagio's, welche Momente mit sich bringen, um die sich zahlreiche Pokerlegenden ranken.
Als Beal anfängt zu pokern, ist er sich schnell sicher, dass er heads-up gegen die weltbesten Spieler um die höchst möglichen Beträge spielen will. Das kommt den Poker Pros natürlich entgegen und so beginnt das Buch damit, dass Ted Forrest sich zu Chip Reese und Beal an den Tisch setzt. Unwissend, dass Beal mit Reese heads-up spielen will, gewinnt Forrest in kurzer Zeit über 1 Millionen Dollar von dem Milliardär und die Gruppe der Pros befürchtet, dass dies den wohlhabenden Fish für immer verschreckt haben könnte.
Sie hätten gar nicht weiter daneben gelegen haben können: Beal will mehr Poker, um mehr Geld, gegen mehr Spieler der Weltelite. Um diesem Wunsch von Beal nachkommen zu können, bilden die Profis Doyle und Todd Brunson, Jennifer Harman, Reese, Lederer und Forrest eine Gruppe. Sie werfen ihr Geld zusammen, um gegen Beal spielen zu können, und teilen die Gewinne. Andere Spieler kaufen Anteile an der Gruppe, ähnlich wie Aktien.
Beal stellt strenge Anforderungen und in den meisten Fällen kommt die Gruppe diesen nach. Sie spielen gegen Beal abwechselnd heads-up. Einige Spieler, wie z.B. Todd Brunson und Lederer machen Beal fertig, während andere, wie Reese oder Barry Greenstein sich vergeblich gegen ihn abmühen.
Ein Manko an diesem Buch ist, dass man nicht so recht weiß, auf welcher Seite man stehen soll. Craig beschreibt Beal oft als Gegensatz zu einem extrem Reichen, der er eigentlich ist: Er scheut die Aufmerksamkeit der Medien, sucht nach günstigen Hotels, isst in billigen Läden und fährt gebrauchte Wagen. Er ist ausgesprochen freundlich zu Fremden, auch zu heruntergekommenen und betrunkenen Zockern, die in ihm nur ihre nächste Beute sehen. All das ist schon sehr verwirrend, wenn Beal im nächsten Moment eine solche Menge Geld zum Bellgio überweist, dass es jedes Dritte-Welt-Land der Erde zehn Jahre lang versorgen könnte. Und das nur, um seinem Poker-Hobby zu frönen.
Beals Beharrlichkeit, die Poker Profis mit nichts anderem als seiner Geldbörse und seinem Willen zu schlagen unterstreicht seine Bestrebungen, das Pokern auf seine Weise zu meistern. Selbst die besten Profis wissen, dass es Einsätze gibt, die zu hoch für sie sind. Wenn Beal wirklich wissen will, wie gut seine Fähigkeiten sind, warum spielt er nicht in einem der $4000/$8000 mixed hold'em Spiele, die die meisten Pros bevorzugen? In anderen Worten: Warum nicht ein Spiel zu fairen Bedingungen?
Wenn es etwas gibt, was man aus dem Buch lernen kann, dann, dass wahre Größe nicht käuflich ist und, dass das Spiel nicht allein durch Willenskraft in kurzer Zeit gemeistert werden kann. Und die Profis haben gelernt, dass ein Aquarium, so groß wie das, in dem der Fish Beal schwimmt, besser unangerührt bleibt.
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