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Einen preflop raise mit großen Paaren nur callen

Für mich gibt es 4 Gründe, an die man denken kann, einen Raise preflop mit Assen/Königen/Queens nur zu callen.
Der erste Grund soll andere veranlassen, sich am Pot nach Dir zu beteiligen. Das kann klug sein, wenn der Raiser short stacked ist und Du wirklich nicht im Isolieren eines kurzen Stacks interessiert bist, sondern versuchst, einen größeren Pot von jemandem anderem zu gewinnen. Ich verwendete diese Technik gestern Abend in einem Turnier. Ein short Stack ging vor mir mit 300$ all-in, als der Big Blind 50$ war. Ich war Cutoff und war selbst ein short Stack mit ungefähr 800$ Chips. Ich entschied mich dafür, nur zu callen, um andere hinter mir zu veranlassen, einzusteigen und mich zu verdoppeln. Das funktionierte perfekt als der Button callte und der Big Blind mit all-in pushte. Der Big Blind hatte Neuner und versuchte anscheinend, den kurzen Stapel zu isolieren und etwas toten Kapitals in die Hand zu bekommen (d.h. den Button und mich zum folden zu bringen). Der Button fiel und ich bekam viel mehr Chips, als wenn ich nur den short Stack selbst isoliert hätte. Später im Turnier hätte ich wahrscheinlich anders gespielt und nur den short Stack isoliert. Hier war ich aber bereit, das Risiko einzugehen, andere in den Pot gehen zu lassen, um einige Chips früh im Turnier zu bekommen.

Der zweite Grund ist, zu versuchen, einem big Stack eine Falle zu stellen und ihn zu überraschen. Wenn Du nur callst, dann ist das für Deinen Gegner schwer, TPTK am Flop zu folden. Das ist aber hauptsächlich vom Typ des Gegners abhängig, der big Stack ist. Wenn er tight/passive ist, solltest Du preflop mehr Geld in den Pot stellen, um seine Pot Odds zu vergrößern, die er dann für die Fahrt nach dem Flop verfolgen kann. Wenn er lose/aggressiv ist, funktioniert das aber oft hervorragend, weil er denken könnte, dass Du ihm gerade nicht glaubst und ihm postflop ausbezahlen könntest.

Ein dritter Grund ist einen mittleren Stack an den Pot zu binden (pot committed). Wenn sie 10-20% ihres Stacks preflop in den Pot stellen und denken, dass sie weitere 20-30% am Flop hineinstellen werden, egal was passiert, dann werden sie bereits die Hälfte ihrer Chips in der Mitte haben wenn Du sie raist und werden mit beliebiger Hand einknicken, egal wie dünn sie ziehen. Auch hier ist das am wirksamsten, wenn Du denkst, dass sie ihre Chance auf den Pot sehen, selbst wenn sie verfehlen.

Der letzte Grund an den ich denken kann ist, ein großes all-in zu vermeiden, wenn möglich. Ein Beispiel. Du hast bei einem großen Turnier am Final Table mit Abstand den zweithöchsten Stack. Der big Stack am Tisch hat ein tightes Image und erhöht aus früher Position. Du hast Damenbesuch, aber Du bist nicht an einem all-in interessiert, solange Du nicht sicher bist, dass Du die beste Hand hast. Da steht zu viel Turnierwert auf dem Spiel, um sich mit AK, AA oder KK anzulegen. Du kannst hier raisen und bei Widerstand folden, aber Du kannst alternativ auch nur callen und darauf hoffen, dass Du Undercards oder eine weitere Dame siehst. Bei Undercards kannst Du Stärke zeigen und dann entscheiden, ob Du bei Widerstand folden willst. Ein tighter Gegner wird Sie wahrscheinlich auch nicht mit Dir anlegen wollen, da Du ihm/ihr den größten Schadens zufügen kannst, wenn es am Final Table um echtes Geld geht.

Ich liebe knifflige Moves wie diese, aber bin sorgfältig. Du kannst nicht böse werden, wenn Du mit 42o bestohlen wirst und der Flop ist 442 und Du Deinen ganzen Stack verlierst. Meine grundlegende Voraussetzung dafür, wann ich ein dickes Paar slow spiele, ist die Größe des Pots und des Stacks meines Gegners im Verhältnis zu meinem Stack. Wenn ich mich mit short Stack früh in einem Turnier befinde, bin ich bereitwilliger, mehr Risiken einzugehen und versuche zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Später in Turnieren, wenn die Blinds und Antes hoch sind, bin ich vorsichtiger und bin glücklich genug, um mit einem all-in nur sie plus das Raise zu gewinnen. Und damit kann ich sogar eine 70/30 KK vs. AJ Situation um alle meine Chips vermeiden. Jedenfalls habe ich mein trickreiches Spiel in einer späten Turnierphase noch nicht verwendet und sehe das auch nicht voraus.

Soweit Ringspiele betroffen sind, spiele ich keine großen Paare slow, es sei denn, ich spiele gegen einen ausgewiesenen Wahnsinnigen (Maniac). Loose Spieler werden mir Action auf meine Bemühungen geben und tighte Spieler werden nur große Bets callen, wenn sie Dich tatsächlich bereits besiegt haben, deshalb nützt die langsame Spielweise von großen Paaren in diesem Fall nichts. Das Beste auf das Du für sie hoffen kannst ist, dass sie ein Set oder zwei Paar flopen und Du ebenfalls, das ist aber sicherlich unwahrscheinlich. Ich calle lieber einen big Bet preflop und bin dann gerne gezwungen, einen anderen big Bet postflop zu callen, wenn sie einen Draw oder TPTK bekommen. So bin ich. Es gibt nichts, was ich mehr liebe als Leute, die mit Asse und Könige gegen mich slow spielen. An einem 200NL Tisch gestern Abend war ich im big Blind und der Button callt. Der small Blind hatte gerade Asse bekommen. Er checkte am Flop und gab mir 15 outs. Ich checke (weiß nicht warum) und der Button checkt. Der Turn brachte nichts, aber er gab mir eine weitere Freecard, um die Nuts zu treffen. Er war die Art des Spielers, der eine große Hand wegwerfen konnte, wenn er dachte, dass er geschlagen wurde, aber er endete damit, einen kleinen Topf zu gewinnen, indem er das Verlieren eines mittleren Topfs riskierte.

Warnung: Wenn Du einen loosen Gegner gelesenen hast und möchtest, dass er weiter aggressiv spielt, dann spiele KEINEN Slowplay. Ich spiele selbst gelegentlich sehr aggressiv (Hinweis) und versuche trotzdem zwischen tight/passiven Gegnern und tight/tricky Gegnern zu unterscheiden. Wenn Du gegen mich mit Asse oder Könige slow spielst, werde ich Dich in die tighte/tricky Kategorie einstufen und meine Strategie gegen Dich ganz beträchtlich verändern. Ich werde viel weniger Bluffs vornehmen, weil ich weiß, dass Du mich dazu veranlassen willst und ich werde anfangen Fallen gegen Dich aufzustellen, also selbst tricky spielen. Wenn Du einen Read auf Deinen Gegner hast, unternehme also nichts, um seine Art des Spielens zu verändern und verwirre ihn nicht. Der Trick zum Schlagen Deines Gegners besteht darin, ihn dahin zu bekommen, genau das Gegenteil davon zu denken, was Du tun wirst und ihn nicht einfach nur zu verwirren. Wenn er verwirrt ist, kann er die richtige Entscheidung aus dem falschen Grund treffen, und dann wird er irgendwie an Dir schrauben.

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