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Physiche Tells, Teil 1

Jeder Pokerspieler hat eine eigene Art von physikalischen Tells. Sogar die besten Spieler können dies nur schwer unterdrücken. Phil Hellmuth Jr. Verschränkt normalerweise die Arme, wenn er blufft. Macht er eine Value Bet, fasst er sich normalerweise an den Mund. (Aber du kannst auch betten, wenn er das nicht tut). Wenn Pokerspieler nach Tells anderer Spieler suchen, starren sie ihrem Gegner direkt in die Augen. Allerdings wird man damit keine verwertbaren Tells finden. Tells sind meistens eine augenblickliche Reaktion, deshalb solltest du deine Spieler mehr beobachten als die Karten die auf dem Board aufgedeckt werden. Die Tells deiner Gegner zeigen sich nur kurz, wenn die Community Cards aufgedeckt werden und wiederholen sich danach wahrscheinlich nicht mehr. Um die aufgedeckten Karten auf dem Board zu sehen hast du viel Zeit, denn die Karten bleiben liegen und verschwinden nicht mehr!

Bevor ich über Tells spreche, ist es wichtig zu verstehen wie das Gehirn in solchen Situationen arbeitet. Jeder Mensch hat einen Teil im Gehirn der sich das limbische System nennt. Dieses limbische System kann nicht lügen (vorausgesetzt man ist nicht gerade einer der bestbezahlten Schauspieler in Hollywood, und die meisten eurer Gegner werden das nicht sein!). Wenn wir etwas wahrnehmen reagiert das limbische System darauf ohne über die Reaktion nachzudenken. Wenn dich jemand erschreckt ist das limbische System dafür verantwortlich, dass du zusammenzuckst. Oder wenn du auf eine heiße Herdplatte fasst, ist das limbische System dafür verantwortlich dass du deine Hand erschreckt zurückziehst. Diese Reaktionen werden im Unterbewusstsein entschieden und man hat keinen Einfluss mehr darauf. Aus diesem Grund lassen sie sich so gut wie nicht verbergen. Halte also Ausschau nach unbewussten Reaktionen deiner Gegner, wenn die Community Cards auf dem Board aufgedeckt werden. Diese Reaktionen sagen meisten die Wahrheit!

Es gibt eine menschliche Reaktion bei Gefahr. Entweder man erstarrt oder man flieht. Steht man beispielsweise im Wald einem gefährlichen Tier gegenüber lässt uns unser Instinkt entweder erstarren oder unser Kreislauf pumpt unser gesamtes Blut in die Beine um eine erfolgreiche Flucht ergreifen zu können. Da die meisten Pokerspieler nicht vom Tisch wegrennen, erstarren sie meistens wenn sie etwas sehen was ihnen nicht gefällt und Gefahr für ihren Stack bedeutet.

Die verräterischen Tells der Hände

Du solltest gut darauf achten, was deine Gegner mit den Händen machen. Bewegt er seine Hände nach vorne, nachdem er seine Hole Cards gesehen hat, dann gefällt ihm was er gesehen hat und du kannst davon ausgehen das er bettet oder raist. Zieht er seine Hände zu sich nachdem er seine Hole Cards gesehen hat, bedeutet dies das Gegenteil und du kannst davon ausgehen das er blufft.

Sollte dein Gegner seine Hände über seine Hole Cards legen, dann gefallen sie ihm und er möchte sie schützen. Sollte er seine Finger ineinander schieben ist das normalerweise ein Zeichen dafür, dass er kein großes Vertrauen in die Stärke seiner Karten hat. Schiebt er seine Finger in einander und hat dabei die Daumen nach oben, ist dies wiederum ein Zeichen für großes Vertrauen in die eigenen Hole Cards. Weitere Tells der Hände die man beobachten sollte:

Schaut sich dein Gegner seine Karten an und möchte sofort danach zu seinen Chips greifen, ist ein bluff wohl sehr unwahrscheinlich. Wenn er bluffen würde, würde er kurz darüber nachdenken und nicht sofort für eine bet nach seinen Chips greifen.

Sollte ein Gegner betten und dabei unkontrolliert mit seinen Händen agieren, kannst du davon ausgehen das er die Nuts oder ein Monster hält.

Beobachte deine Gegner bevor sie am Zug sind. Bewegen sich seine Hände in Richtung seiner Chips, so musst du mit einem Raise rechnen.

Ein Gegner der Däumchen dreht fühlt sich in seiner Momentanen Situation wohl.

Du solltest ebenfalls bei deinen Gegner auf Handlungen achten, mit denen er sich ablenken oder beruhigen will. Das deutet meistens auf eine Stresssituation hin welche beim bluffen der Fall ist. Je länger du dann mit deiner Reaktion auf seine Bet oder seinen Raise wartest, desto größer wird für ihn der Stress. Du solltest nun genau auf ihn achten, denn er wird sich wahrscheinlich verraten. Berührt oder streicht er sich nun am Nacken, fühlt er sich sehr unwohl. Zieht er sich am Shirt um sich etwas mit Luft zu kühlen, ist dies ebenfalls ein Anzeichen für einen Bluff. Spieler die bluffen fühlen einen Temperaturanstieg nachdem sie geblufft haben!

Streicht oder berührt sich ein Spieler mit seinen Fingern ist das meistens ein Anzeichen für Stress. Fasst er sich beispielsweise ins Gesicht an Mund oder Nase oder spielt er mit seinen Haaren. Dasselbe gilt dafür wenn er sich die Lippen reibt oder befeuchtet, wenn er pfeift, wenn er schnauft oder sehr langsam ausatmet, die arme verschränkt oder sich die Beine reibt. All diese Verhaltensweisen deuten darauf hin, dass sich dein Gegner sehr unwohl fühlt.

Die meisten Spieler glauben, dass man die meisten Tells im Gesicht eines Spielers findet. Das ist aber falsch. Die meisten zuverlässigen Tells geben die Beine und die Füße. Die meisten Spieler versuchen jede sichtbare Emotion im Gesicht zu vermeiden, aber nur wenige denken daran die Emotionen die man an Beinen und Füßen erkennen kann zu verdecken. (Darüber mehr im 2ten Teil dieses Artikels)

Beachte immer dass du nach unbewussten Reaktionen Ausschau halten solltest. Aber nur weil du glaubst einen Tell erkannt zu haben solltest du deinen Gegner nicht gleich All-In setzen. Du solltest dir merken was dein Gegner normalerweise macht und weiter beobachten. Ein Tell ist nicht genug um über seine Reaktion zu urteilen. Du solltest möglichst viele Tells und Reaktionen in einem Gesamtbild betrachten. Siehst du drei unterschiedliche Tells, welche andeuten dass dein Gegner schwach ist, ist das besser als würde nur ein Tell darauf hindeuten!
Dein Gegner könnte auch mit Absicht einen falschen Tell geben, aber das drei Tells mit Absicht falsch gegeben wurden ist eher unwahrscheinlich.

In Teil dieses Artikels werde ich näher auf die Tells der Beine und Füße eingehen.
Die englische Version findet ihr hier: Part 2

Beobachtet eure Gegner immer aufmerksam und gut!

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