Die Strategie, die Du beim Head-up benutzt, sollte abhängig vom Betrag Deiner Chips im Verhältnis zum Stack Deines Gegners sein. Dieser Artikel ist eine Fortsetzung zu Teil 1 und 2 und behandelt die Besonderheiten für den Fall, dass Du der big Stack bist.
Du hast es bei einem MTT oder SNG unter die letzten beiden Spieler geschafft und Du siehst Dich vor dem größten Chip-Stapel, den Du seit langer Zeit hältst. Dein Gegner hat nur einen Bruchteil Deiner Chips und Du grinst ihn über das ganze Gesicht an, weil Du bereits weißt, wie das gleich enden wird.
KONTROLLIERTE AGGRESSION
Jetzt ist nicht die Zeit, übermütig zu werden. Du willst immer noch aggressiv sein, aber Du willst Deine Aggression mildern. In diesem Augenblick sind Deine besten Freunde die Blinds (einschließlich der Antes) und die Tatsache, dass Du Dir Zeit nehmen und auf eine gute Hand warten kannst. Merke Dir, dass bereits zwei Verdoppler Deinem Gegner reichen können, dass Du wieder hinten liegst, wenn Du seine All-ins callst. Wenn Du auf 1.000.000 sitzt und Dein Gegner 350.000 an Chips hat (das entspricht den Verhältnissen bei einem 45 Mann SitNGo) und die Blinds 500/1,000 betragen, bei einem Ante von 100, reicht ein einziger Verdoppler, um Dich auf even zurückzuwerfen. Entsprechend reichen Deinem Gegner zwei Verdoppler, wenn Du 1.150.000 und er 200.000 an Chips hat.
DIE ZEIT IST AUF DEINER SEITE
Du hast die Zeit auf Deiner Seite. Du könntest zum Beispiel bei 992.500 zu 357.500 Chips 10 Hände folden. Danach würdest Du (bei gleich bleibenden Blinds) mit 985,00 zu 365.000 Chips noch immer vorne liegen und Deinen Gegner beherrschen. Du bist also nicht in Eile. Du musst nur geduldig sein und die guten Hände, die Du bekommst, aggressiv spielen. Du solltest deshalb Deine guten Hände preflop ausreichend erhöhen, damit Dein Gegner es merklich fühlt, wenn er callt und den Flop verpasst. Folglich versuchst Du die meisten Hände zu erhöhen und alle Händen mit Ass/neun oder besser, K/10 oder besser, jedes Pocket-Paar mit Neunen oder besser kannst Du auf das 10-fache oder mehr des BB erhöhen. Versuch dann noch jeden Flop-Einsatz aggressiv zu spielen, so dass Dein Gegner jeweils eine harte Entscheidung fällen muss.
SOLIDER POKER ERLEDIGT DEN JOB
Du solltest ein soliden, vernünftigen Turnier-Poker spielen und große, übermäßige Risikos mit schwachen oder „drawing“ Händen vermeiden und geduldig auf die richtige Zeit warten, um Deine Moves zu machen. Halte Dich mit all-ins weitgehend zurück. Mehr als wahrscheinlich wird Dein Gegner es damit versuchen, in der Hoffnung, sich mit Deinen Chips zu verdoppeln.
Wenn Du big Stack geworden bist, zwingt Dich niemand zu pushen und Deinen Gegner zu schikanieren. Als big Stack versuchst Du, Dich aus großen Poten raus zu halten (es sei denn, dass Du ziemlich sicher bist, dass Du sie gewinnen wirst), und stelle sicher, dass Dein Gegner keine Chance bekommt, sich zu verdoppeln – versuch ihn lieber dazu zu ersticken, anstatt ihn zu zerquetschen. Du willst ihm doch sicherlich keine Rettungsleine zu werfen.
KOMMENTAR DES ÜBERSETZERS UND SCHLUSSBEMERKUNG
Ich habe mir relativ lange überlegt, ob ich diese Heads-up Artikelserie wirklich in die Deutsche Sprache übersetzen soll. Um mich mit der Arbeit identifizieren zu können, musste ich bei der Übersetzung aus dem Englischen ein klein wenig mogeln. Nun möchte ich zum Abschluss dieser Artikelserie auch noch eine Ergänzung schreiben, weil aus meiner Sicht, ein paar wesentliche Gesichtspunkte zu kurz gekommen sind.
Das Position-Play ist beim Heads-up noch viel wichtiger, als beim normalen NL Fullring-Game. Raises werden hier preflop üblicherweise nur zwischen 2-3 BB gespielt. 2 BB um vom Gegner eine Reaktion zu provozieren. 3 BB wenn man den Gegner zur Aufgabe zwingen will. Wenn der Big Blind raisen will, sollte er das im Bereich von 4-5 BB tun. Ein gutes Heads-up Spiel besteht darin, so viel wie möglich vom Button aus zu spielen und im Übrigen im Big Blind marginale Hände, dem Gegner so schwer wie möglich gewinnen lassen.
Ein weiterer wesentlicher Strategie-Aspekt ist beim Heads-up, wie man ein trickreiches Spiel aufzieht. Auch in diesem Zusammenhang spielt die Position eine wesentliche Rolle:
1. Wenn man am Button sitzt, sollte man grundsätzlich raisen, weil man post-flop die bessere Position hat und versuchen, die Blinds zu stehlen.
2. Man sollte öfter falsche Signale aussenden, z.B. wenn man die Blinds erfolgreich mit Nichts gewonnen hat, die Karten gelegentlich zeigen.
3. Möglichst gleichförmige Einsatz-Muster vortäuschen (z.B. permanente Mini-Raises).
4. Wenn der Gegner setzt, kann er den Pot haben, aber nur wenn er bereit ist, einen hohen Einsatz zu riskieren.
5. Dem Gegner dann mit gleicher Methode eine Falle stellen, wenn man eine gute Hand hat, d.h. diese Hand genau wie eine schlechte anspielen und dem Gegner das Gefühl vermitteln, er könne den Pot stehlen. Wenn er dann richtig Pot-Committed ist, sollte die Falle zuschlagen.
Zwischendurch muss man das Spiel natürlich immer auch variieren, verlangsamen und wieder beschleunigen. Versuchen mit schwachen Händen zu raisen und mit sehr starken Händen slow zu spielen, etc.
Ich denke, dass diese abschließenden Bemerkungen das Bild ein wenig abrunden und damit insgesamt eine gute Artikelserie gelungen ist.
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