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Interview mit Phil Gordon

Die Biographie von Phil Gordon liest sich mehr wie ein Hollywood Drehbuch als den Werdegang eines Pokerprofis.
Als Wunderkind, welches mit 15 Jahren aufs College wechselte, rutschte er gerade rechtzeitig in die Welt der Technologie, um den Boom der 1990er zu erleben. Sein neu gegründetes Unternehmen wuchs und wurde für die kolossale Summe von 95 Millionen Dollar an Cisco Systems verkauft. Mit seinem Anteil an Cash in der Hand spendete Phil sein ganzes Hab und Gut einem wohltätigen Zweck und ging auf eine Reise, die eine jede andere blass aussehen lässt: er durchkreuzte 5 Jahre lang den Planeten, besuchte dabei 50 Länder und erlebte Abenteuer wie das Besteigen des Kilimanjaro oder das Leben unter den Ureinwohnern Balis.

Danach sorgte Phil mit einem eindrucksvollen Auftritt bei der World Series of Poker im Jahr 2001 zum ersten Mal für Aufsehen in der Pokerwelt. Er festigte seinen Status in der Pokergeschichte durch den Gewinn mehrerer World Poker Tour Titel und als Gastgeber der Fernsehshow "Celebrity Poker Showdown".

Zusätzlich zu der langen Liste seiner Erfolge arbeitet Phil als Autor (veröffentlichte vor kurzem sein zweites Pokerbuch "Phil Gordon's Little Green Book") und als Unternehmer (Chef von Expert Insight DVD/media). Oh, haben wir erwähnt dass er viel Zeit investiert hat, um Geld für die Krebsforschung zu sammeln? Gibt es irgendetwas, was dieser Mensch noch nicht getan hat? Nun ja, er hat sich noch nicht von mir interviewen lassen...bis jetzt. Wir fragen ihn alles über sein Leben, seine Reisen und seine Zukunft im folgenden exklusiven Interview.

John: Sie gingen nicht den üblichen Weg um ein professioneller Pokerspieler zu werden...

PHIL: Nun ja. Poker war für mich immer mehr ein Hobby als ein Beruf. Ich denke, meinen großen Durchbruch schaffte ich bei der 2004er World Series, als ich den vierten Platz beim Main Event belegte. Kurz darauf beschloss ich, mich so viel Poker zu spielen und über das Spiel zu lernen wie möglich. Davor war ich nicht herausragend erfolgreich und verbrachte auch nicht viel Zeit mit Pokern.

John: Angefangen hat es mit Ihrem frühen Übertritt aufs College, dem Einschlagen des Kurses der Technologie, Ihrem hohen Profit und der daraus resultierenden finanziellen Etablierung...

PHIL: Nun, das ist übertrieben. Fast jeder glaubt dass ich viel mehr Geld mit diesem Geschäft verdient habe als ich in Wirklichkeit tat. Sie müssen verstehen, dass ich einer von 50 Angestellten in dieser Firma war. Ich war zwar der erste Angestellte, aber immer noch einer von 50. Wir hatten Risikokapitalanleger, wir hatten Investitionskapital...Wenn es heisst, dass wir für 95 Millionen verkauft haben, glauben Sie nicht dass ich an die 95 Millionen Dollar habe. Nicht einmal annähernd. Es war genung um in Rente zu gehen. Aber es waren auch nicht um die 20 Millionen. Das ist verrückt.

John: Sie bekamen genung, um die Reise Ihres Lebens zu machen. Erzählen Sie uns von dieser Reise -- wie kamen Sie auf die Idee, was war ihr persönliches Highlight, was werden Sie niemals vergessen...

PHIL: Reisen ist Flucht und Laune. Manches Flucht, manches Laune. In meinem Fall war dies nicht anders. Teil meiner Reise war es, von einingen schlechten Dingen, mit denen ich zu kämpfen hatte, wegzukommen, was in den USA hauptsächliche meine damalige Freundin betraf. Ich wollte die Welt sehen. Das ist der Flucht-Teil. Der Teil der Laune bestand darin, dass ich in die Welt hinaus und etwas verändern wollte, und herauszufinden, um was es in der Welt wirklich geht. Es gibt zwei Gründe, warum Leute ihr Habe einer wohltätigen Organisation stiften, ihren Rucksack packen, und ein Ticket ohne Rückflug nach Afrika buchen, und ich unterscheide mich in dieser Hinsicht nicht von all den anderen. Nun, ich war gut vier Jahre unterwegs: ich verbrachte knapp ein Jahr in Afrika, vier Monate in Südamerika, sechs Monate in Australien, vier Monate in Südostasien, eine lange Zeit in Europa, einen Monat in Alaska und dem Rest. Und die ganze Zeit über war ich als Rucksackreisender unterwegs, habe Leute getroffen, gesehen wie sie leben, mit ihnen gegessen, bin in ihre Kultur eingetaucht. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung, die mein Leben veränderte. In dieser Zeit habe ich viele Highlights erlebt: die Besteigung des Kilimanjaro, Sporttauchen mit großen Weißen Haien in Südafrika, den Monat, den ich in Äthiopien verbrachte, werde ich niemals vergessen, den Inka-Pfad entlangwandern, und das Amazonasgebiet. Wir wanderten ein paar Tage am Amazonas entlang, dann bauten wir ein Boot aus Balsaholz und fuhren damit den Fluss hinunter, während wir Fische mit einem Speer fingen. Das war ein fantastisches Erlebnis. In den sechs Monaten in Australien kaufte ich einen Toyota Land Cruiser und fuhr damit 20000 Meilen alleine im Kreis. Ich sah das Great Barrier Reef und hatte jede Menge Spaß mit den Australiern. Jede Menge Spaß, Abenteuer, und teilweise gefährliche - aber immer unterhaltende und prägende - Erlebnisse.

John: Auf so einer Reise muss man sehr viel über die Welt und auch über sich selbst lernen.
Das ist das Nonplusultra...

PHIL: Ein Vorteil des Alleinreisens ist, dass man niemals Kompromisse machen muss. Ich tat genau das, was ich tun wollte, wann ich es wollte und wie ich es wollte. Ich denke, das war sehr wertvoll. Ich glaube, es wäre nicht dasselbe gewesen, wenn ich einen Freund dabei gehabt hätte, oder eine Art von Kompromiss hätte machen müssen. Natürlich hatte ich das Glück, finanziell besser ausgestattet zu sein als die meisten Leute die ich auf meinem Weg traf, aber ich führte einen sehr ärmlichen Lebensstil während dieser Zeit. Ich glaube das ganze Jahr in Afrika kostete mich ungefähr 16000$. Ich meine, das war nicht viel Geld.

John: Sie haben die Nacht nicht in noblen Hotels verbracht oder ähnliches.

PHIL: Nein, nein. Ich schlief in Jugendherbergen, bei Leuten zu Hause, im Zelt - es war ein niederer Lebensstandard, aber eine hohe Lebensqualität, wenn Sie verstehen.

John: Oh ja, ich verstehe. Es war wahrscheinlich besser als in amerikanisierten Hotels zu bleiben oder eine Art organisierte Tour mit Führern durchzuführen. Das war nicht das, was Sie suchten.

PHIL: Nein, das war nicht was ich suchte. Ich suchte nach authentischen Erfahrungen, mehr nach dem echten Leben als diesem "konservierten", Sie wissen schon, in dem jede Minute eines jeden Tages fest geplant ist. Aber diese Art von Reisen haben sicher auch ihren Nutzen. Es ist besser solche Reisen zu machen als gar keine. Aber sie bieten nicht die Art von Erfahrungen, die ich wollte. Überall wo ich hinflog, buchte ich Tickets ohne Rückflug, denn ich wollte nicht irgendeinen Flug erwischen müssen. Wenn ich eine schöne Zeit haben sollte, würde ich länger bleiben. Wenn ich mich schlecht fühlen sollte, konnte ich zum Flughafen fahren und an einen Ort fliegen, wo ich noch nie zuvor war. Dies tat ich ziemlich oft.

John: Und Sie hatten keinen Zeitplan? Sie hatten keinen Zielort im Kopf?

PHIL: Nein.

John: Was brachte Sie dann zu Ort A oder zu Ort B? War es eine Laune, eine Neigung -- oh, wie wärs als nächstes mit Bali?

PHIL: Nun, Ich würde ja Leute treffen auf meiner Reise. Es gibt einen ganzen Kreis von Weltreisenden da draußen. Die meisten sind aus Europa; vor allem Holländer, Deutsche und Briten sind leidenschaftliche Weltreisende. Sie alle nehmen sich ein oder zwei Jahre nach der Universiät Zeit, um auf Weltreise zu gehen. Also würde ich sie in Bars und Restaurants treffen und an Touristen-typischen Orten, und ich würde Freunde finden. Weil ich allein reiste, war ich gezwungen, Freunde zu finden. Und, wissen Sie, die Unterhaltung dreht sich fast immer um "wo waren Sie schon, was haben Sie gesehen, war es dort schön, und wo haben Sie übernachtet?" Was erwarten Sie von einer Gruppe Reisender, die ihre Geschichten und Erfahrungen verglichen. Zu der Zeit als ich in Malaysia oder so war, und ich einer Gruppe Reisender über den Weg lief, die gerade aus Vietnam, oder Bali, kam, sagte sie immer: "Sie müssen runter nach Bali fahren." Ich sagte, "das klingt nach einer wirklich guten Idee, das werde ich tun." Ich ging einfach zum Flughafen und kaufte ein Ticket nach Bali.

John: Wissen Sie was, Ich bin deswegen fast neidischer aus Sie als auf Ihre Pokererfolge. Diese Reiseerfahrung ist unglaublich...

PHIL: Und ich würde sagen, dass trotz all der Erfolge beim Pokern, einschließlich der Bestseller und den Fernsehshows und all dem Ganzen, die Reiseerfahrungen wertvoller sind, persönlich gesehen.

John: Bei all dem, was Sie beim Pokern erreicht haben, bei Ihrer Bildung, der Technologie und Cisco als Käufer, der Reise, der Fernsehshow, was ist die größte Errungenschaft Ihres Lebens? Worauf sind Sie am meisten stolz?

PHIL: Hm, ich werde es eher allgemein formulieren als es auf eine bestimmte Sache zu beschränken. Worauf ich am meisten stolz bin, ist, das beste aus jeder Situation herausgeholt zu haben, in der ich mich befand. Viele Leute haben Mitte der 90iger viel Geld mit dem Internet verdient, aber nicht alle hatten den Mut, dieses Geld zu nehmen und etwas wichtiges für sich selbst zu tun. Es gibt hautzutage hunderte von Leute, die einen Platz in der Welt des Profipokerns für sich beanspruchen, aber nicht alle unter ihnen haben so hart gearbeitet wie ich über die letzten paar Jahre.

John: Wo wir gerade von Ihren Errungenschaften sprechen, wie kamen Sie dazu "Celebrity Poker Showdown" zu moderieren?

PHIL: Ich war auf einem Doppeldate mit Hank Azaria, meiner damaligen Freundin und eine ihrer Freundinnen. Ihre Freundin kannte Hank und wir gingen alle zusammen auf ein Doppeldate, aber ich kannte Hank zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Übers Wochenende freundeten wir uns an, und Hank sagte, dass er Freunde habe, mit denen er Sonntag Abend in LA Poker gespielt hatte: Josh Malina, der Will Bailey bei "West Wing" spielt, und sein Freund Andy, der schon seit langem beim Fernsehen arbeitete. Die World Poker Tour hatte gerade angefangen, und sie hatten die Idee, eine Show zu produzieren, in denen berühmte Persönlichkeiten für einen guten Zweck Poker spielen. Ich hatte gerade das World Poker Tour Event in Aruba gewonnen, drei Final Tables in zwei Jahren bei der World Series erreicht, und Hank sagte: "Hey, du scheinst eine gute Persönlichkeit zu haben. Du scheinst, als würdest du gut in die Show passen. Kann ich ihnen deine Telefonnummer geben?" Ich antwortete sowas wie `klar, hier ist meine Nummer.´ Josh und Andy luden mich die Woche darauf zum Frühstück ein, und sie boten mir die Show an, und das war eigentlich alles. Sie interviewten zwar zur gleichen Zeit auch noch Phil Hellmuth und Annie Duke für die Show, aber aus dem ein oder anderen Grund blieben sie bei mir.

John: Finden Sie, dass irgendeine dieser Berühmtheiten ernstzunehmende Pokerfähigkeiten besitzt?

PHIL: Es gibt viele großartige Spieler unter den berühmten Persönlichkeiten. Tobey MacGuire ist großartig; Ben Affleck ist offensichtlich sehr talentiert, obgleich ich nicht weiß wieviel er noch spielt; James Woods; Hank Azaria ist ein hervorragender Spieler; Matt Perry hat viel Talent; Sarah Rue; Shannon Elizabeth; Jennifer Tilley - Ja. Es gibt viele.

John: In welche Richtung siehst du den unternehmerischen Aspekt des Pokerns gehen? Es wird viel darüber geredet, dass sich Poker Spieler besser organisieren wollen.

PHIL: Ich finde, die Spieler sollten sich in der ein oder anderen Form von Organisation befinden. Es gibt dieses Geschäft mit der World Poker Tour und ihren Spielerfreigaben; dies ist nur ein weiterer Hauptgrund dafür, dass die Spieler einen Sprecher bekommen müssen. Und ich weiß nicht, wie es dazu kommen soll, denn es scheint nicht einen Spieler mit genügend Geld, Zeit und Energie zu geben, um soetwas auf die Beine zu stellen. Sicher werden die Spieler keinem außenstehenden "Nicht-Spieler" trauen. Ich weiß wirklich nicht, wie das zu schaffen ist, aber ich bin voller Hoffnung, dass jemand dieser Aufgabe gewachsen ist und sie anpacken kann. Aber dennoch habe ich nicht viel Glauben daran. Poker ist kein Mannschaftssport, und deshalb verhalten sich die Spieler wie Einzelgänger und Individualisten. Es wird sehr schwierig sein, sie alle auf diesselbe Seite zu ziehen und dazu zu bringen, zu allem zuzustimmen. Wenn sagen wir 5 oder 10 Spieler einfach nicht mögen, wie sich etwas entwickelt, gehen sie halt einfach weg und spielen trotzdem im Turnier mit, und dann haben wir wieder keinen Status und keine Autorität in der Pokerwelt. Mir würde es sehr zusagen, aber ich sehe es einfach nicht in absehbarer Zeit kommen.

John: Richtig...

PHIL: Was die Körperschaften betrifft, glaube ich, dass über die nächsten paar Jahre die "Corporate America" (Anm.: Großunternehmen Amerikas, die nicht im Besitz der Regierung sind - Wall Street) die Aufgabe in Angriff nehmen wird und mehr Spieler sponsorn wird. Ich sehe es schon als großes Glück der Spieler, genügend Zeit im Fernsehen zu bekommen um einen gewissen Wiedererkennungswert zu erreichen, ich habe definitiv Sponsorenverträge mit Großunternehmen, dazu Werbespots im Fernsehen und solche sowohl letztes als auch das kommende Jahr. Ich denke, dies wird ein weiteres Wachstum erleben. Die OnlinePoker Anbieter werden weiterhin außergewöhnlich gut laufen und wachsen. Die großen Turniere werden gut über die Bühne gehen. Die World Series erwartet dieses Jahr mit über 7500 Spielern, und es würde mich nicht überraschen, wenn die 8000 Spieler-Marke geknackt werden würde.

John: Ich war dieses Jahr bei der World Series, und Sie scheinen sich dort sehr wohl zu fühlen, sowohl an den Tischen als auch abseits. Ich merkte deutlich, dass Sie das Pokern geniessen, genauso wie die Leute drumherum, ob Spieler oder nicht.

PHIL: Eine Sache, die ich realisiert habe, ist, dass ich in meinem Leben sehr viel Glück hatte. Mir wurde eine Freiheit und Flexibilität geschenkt, die nicht jedem zu Teil wird, und ich versuche das Beste herauszuholen. Wenn ich an einer Sache keinen Spaß habe, dann ist sie meine Zeit nicht wert. So einfach ist das. Wenn ich nicht vollends beschäftigt, vorbereitet und die größtmögliche Freude daran habe, dann mache ich etwas anderes. Einer der Gründe, warum ich zur Zeit nicht in so vielen Turnieren mitspiele wie gewohnt, ist, dass mir derzeit andere Dinge mehr Spaß machen. Das bedeutet nicht dass ich das Pokern an den Nagel gehängt habe. Ich spiele ausreichend Turniere, um aktiv zu bleiben - ich habe zwei Final Tables bei der WSOP im letzten Jahr erreicht, ich habe es an den Finaltisch beim Live Event im Wynn geschafft, und ich hatte ein großartiges Jahr 2005 durch den Gewinn mehrerer hunderttausend Dollar an Preisgeld. Ich habe nicht 300 Tage fürs Pokern investiert wie manche meiner Zeitgenossen.

John: Also was lenkt Sie nun derzeit vom Pokern ab?

PHIL: Nun ich habe zwei Hauptablenkungen. Die erste ist meine Organisation "Bad Beat on Cancer" , mit welcher ich Spendengalas für die Krebsforschung und -vorsorge organisiere. Ich stecke dort sehr viel Arbeit hinein. Ich habe versprochen, dieses Jahr eine Million Dollar zu sammeln. In der Tat ging es in den letzten drei Telefongesprächen vor diesem Interview um Spenden für wohltätige Zwecke. Ich habe viele private Seminare gespendet; heute habe ich schon zwei durchgeführt. Leuten, die 500$ für die Krebsforschung und -vorsorge spenden, gebe ich eine halbe Stunde Privatunterricht am Telefon.

John: Oh, klasse! Wie können sich unsere Leser darüber informieren? Haben Sie eine Website?

PHIL: Ja, sie wird gerade veröffentlicht. PR-Leute kümmern sich gerade darum. Es gibt eine Website unter www.badbeatoncancer.org. Wir veranstalten eine große Promi-Spendengala in LA. Es gibt eine Gala im April, eine im Mai und eine im Juni. Und die "Bad Beat on Cancer"-Organisation wird von der World Series of Poker unterstützt und findet im Juli und August statt. Ich weiß nicht wo diese eine Million Dollar herkommen sollen, aber ich arbeite jeden Tag hart daran, um sicherzugehen, dass die Leute von unserer Initiative hören und von der guten Arbeit, die wir hineinstecken.

Die zweite große Sache, die meine Zeit beansprucht, ist meine neue DVD-Firma. "Expert Insight" ist ein neues Unternehmen, die Lernmedien produziert, und ich bin der Generaldirektor. Unser erstes Projekt war "Final Table Poker", meine DVD. Unsere zweite DVD wird in wenigen Wochen auf den Markt kommen; sie heißt "Andy Block's Beating Blackjack". Andy war Mitglied des MIT Blackjack-Teams. In seinem Video, ähnlich wie in meinem, befinden Sie sich in seinem Kopf. Er zählt Karten, er spielt eine perfekte Grundstrategie, und er spielt mit einem Blackjack-Team. Ziemlich ähnlich zu dem MIT Blackjack-Team, in dem er war. Das ist ziemlich cool. Es wird ein Golfvideo geben, welches wir im März drehen. Wir werden noch 5 oder 6 Videos mehr zu verschiedenen Themen machen dieses Jahr. Das Unternehmen wächst rasch, und es läuft außergewöhnlich gut. Der Generaldirektor eines wachsenden Medienunternehmens zu sein lässt nicht viel Zeit für andere Dinge.

John: Nun zu Ihrem neuesten Buch, wie kamen Sie darauf, "The Little Green Book" zu schreiben und warum sollten die Leute eher Ihr Buch als ein anderes auf dem Markt kaufen?

PHIL: Naja, mein erstes Buch erschien im Oktober 2004, und es hieß: "Poker: The Real Deal". Dieses Buch war in erster Linie an die Leute gerichtet, die "Celebrity Poker Showdown" sahen. Es war für Leute die nicht viel Erfahrung im Pokern hatten und einfach wissen wollten, worum es überhaupt geht. Ich nenne es die "Poker-Lifestyle Bibel". Es verkaufte sich ca. 125000 mal im ersten Jahr, was ziemlich gut ist für eine gebundene Ausgabe. Kurz nachdem dieses Buch veröffentlicht worden ist habe ich viel Feedback von Kunden und Leuten bekommen, die mehr über NoLimit Texas Hold'em wissen wollten. So hatte ich die Idee von "Little Green Book"...glücklicherweise standen Simon and Schuster (Anm.: Amerikanischer Verlag) hinter dem Buch. Ich schrieb "The Little Green Book" in ungefähr 2 ein halb Monaten. Es hat 286 Seiten über die NoLimit Hold'em Strategie, die ich auch spiele. Ich behaupte bekanntermaßen nicht, der beste Spieler der Welt zu sein. Ich glaube auf keinen Fall, dass ich das bin. Aber ich denke, dass ich eine gute Chance auf den Titel des besten Lehrers der Welt habe. In dem Buch lege ich die Strategie sehr klar, kurz und bündig dar, und hoffentlich auf eine Art und Weise, dass die Leser einige Grundprinzipien von NoLimit Hold'em verstehen können, welche sie sonst nirgends finden werden.

John: Ein gutes Beispiel dafür ist, meines Erachtens, wenn Sie über einen schwierigen LayDown sprechen. Sie hatten eine Ahnung, dass Phil Hellmuth AA hält und foldeten ihr Paar Könige preflop. Ich finde dies ist der springende Punkt. Jeder glaubt es geht darum, besonders aggressiv zu sein, aber man kann einen Final Table auch erreichen, indem man öfters schwierige LayDowns macht...

PHIL: Ich sage es am liebsten so: Das Lieblingswort eines Pokerspielers mit 4 Buchstaben beginnt mit "F". (lacht)

John: (lachend) Der Spruch gefällt mir. Ich denke, sie werden das rausschneiden wenn Sie das im Fernsehen sagen.

PHIL: Ja, Folden ist essentiell für Erfolg. Aber Aggression und all das Zeug auch. Ich stelle mir gerne vor, dass das "Little Green Book" und die "Expert DVD" schlechte Spieler zu guten macht und gute Spieler zu großartigen Spielern.

John: Und Sie spielen online auf Full Tilt Poker...

PHIL: Ich bin Mitglied des Full Tilt Teams. Ich bin einer der 10, und stolz darauf.

John: Haben Sie oft die Möglichkeit, online zu spielen?

PHIL: Ich spiele ungefähr 5 bis 10 Stunden pro Woche. Teil des Deals mit Full Tilt ist es, niedrige Limits zu spielen. Ich spiele .50/1, .25/.50, ich habe letzten Monat 2 Stunden um Speilgeld gespielt. Wissen Sie, es geht einfach um Lernen, Chatten und Spielen mit den Profis. Es ist eigentlich der einzige Platz online, an dem dies möglich ist.

John: Sie haben die Organisation "Bad Beat on Cancer" erwähnt. Sie und ein Freund haben dafür auf sehr interessante Weise Geld gesammelt. Sie nannten es das ultimative Sportabenteuer?

PHIL: Das war die größte Zeitverschwendung in der Geschichte der Menschheit. Rafe ist seit 15 Jahren mein bester Freund. Vor ein paar Jahren beschlossen wir, ein Wohnmobil zu kaufen und alles einzulagern, wieder einmal. Wir starteten zum ultimativen Sportabenteuer. Wir begannen beim Super Bowl in San Diego, fuhren 42000 Meilen zu 140 Sportveranstaltungen in 40 verschiedenen Staaten über die Dauer eines einzigen Jahres. Wir starteten beim SuperBowl und hörten beim SuperBowl auf. In der Zwischenzeit sahen wir jedes große Sportereignis. Wir haben die Verleihungen aller großen Trophäen gesehen, einschließlich aller drei "Triple Crown" Rennen, den 3 großen Golfturnieren (Masters, PHILA, US Open), die Tennis US Open, die Meisterschaft im Kinderbaseball, den Stanley Cup, die College-Meisterschaft, die Profi-Meisterschaft (MLB), die NBA Finals, Daytona und Indianapolis, die WSOP war natürlich auch dabei, hm, die Weltmeisterschaft im Eiskunstlaufen, die US-Tischtennismeisterschaft, wir bespielten die Top 25 der öffentlichen Golfplätze, sahen 26 Baseball-Stadien...und wir aßen eine unglaubliche Menge an scheußlichem Stadionsessen.

John: OK, das wars. Jetzt ist es offiziell. Das ist die "ultimative Sport-Rundreise."

PHIL: Wer mehr sehen will: www.ultimatesportsadventure.com

John: So, wie ist Ihr Golfspiel?

PHIL: Mein Golf wird immer besser. Ich bin vor kurzem einem Country Club in Vegas beigetreten. In letzter Zeit habe ich mehr gespielt, aber es ist schwer, Zeit zu finden. Ich arbeite hart daran. Ich werde dieses Jahr wieder an Michael Jordans Promi Golfturnier teilnehmen. Ich freue mich schon darauf, besser zu spielen als letztes Jahr!

John: Und Sie befinden sich in einer Beziehung. Zeit muss von Bedeutung sein.

PHIL: Ich habe seit ein paar Jahren eine Freundin. Sie ist wundervoll. Sie lebt in Vancouver, also sehen wir uns nicht so oft. Wer weiß, vielleicht wird sich das bald ändern.

John: Mit Ihrem strammen Zeitplan muss das sehr hart sein.

PHIL: Ja, aber sie ist Firmenanwältin, folglich ist sie auch sehr beschäftigt - Fusionen und Übernahmen. Hochkarätige und energische Anwältin in einer Firma dort oben, also hat sie eh nicht viel Zeit. Wir sind seit ein paar Jahren zusammen und es läuft ganz gut.

John: Ich genieße die Zeit mit Ihnen. Großartiger Stoff. Irgendetwas, was Sie noch anfügen wollen?

PHIL: Ich will Sie nur noch bitten, die "Bad Beat on Cancer"-Website zu besuchen: www.badbeatoncancer.org. Surfen Sie mal drauf. Ich habe eine Vielzahl an unterschriebenen Erinnerungsstücken gespendet: unterschriebene DVDs, Exemplare meines Buches, private Pokerstunden. Ich würde mich freuen, wenn Sie es sich anschauen würden.

Die Biographie von Phil Gordon liest sich mehr wie ein Hollywood Drehbuch als den Werdegang eines Pokerprofis.
Als Wunderkind, welches mit 15 Jahren aufs College wechselte, rutschte er gerade rechtzeitig in die Welt der Technologie, um den Boom der 1990er zu erleben. Sein neu gegründetes Unternehmen wuchs und wurde für die kolossale Summe von 95 Millionen Dollar an Cisco Systems verkauft. Mit seinem Anteil an Cash in der Hand spendete Phil sein ganzes Hab und Gut einem wohltätigen Zweck und ging auf eine Reise, die eine jede andere blass aussehen lässt: er durchkreuzte 5 Jahre lang den Planeten, besuchte dabei 50 Länder und erlebte Abenteuer wie das Besteigen des Kilimanjaro oder das Leben unter den Ureinwohnern Balis.

Danach sorgte Phil mit einem eindrucksvollen Auftritt bei der World Series of Poker im Jahr 2001 zum ersten Mal für Aufsehen in der Pokerwelt. Er festigte seinen Status in der Pokergeschichte durch den Gewinn mehrerer World Poker Tour Titel und als Gastgeber der Fernsehshow "Celebrity Poker Showdown".

Zusätzlich zu der langen Liste seiner Erfolge arbeitet Phil als Autor (veröffentlichte vor kurzem sein zweites Pokerbuch "Phil Gordon's Little Green Book") und als Unternehmer (Chef von Expert Insight DVD/media). Oh, haben wir erwähnt dass er viel Zeit investiert hat, um Geld für die Krebsforschung zu sammeln? Gibt es irgendetwas, was dieser Mensch noch nicht getan hat? Nun ja, er hat sich noch nicht von mir interviewen lassen...bis jetzt. Wir fragen ihn alles über sein Leben, seine Reisen und seine Zukunft im folgenden exklusiven Interview.

John: Sie gingen nicht den üblichen Weg um ein professioneller Pokerspieler zu werden...

PHIL: Nun ja. Poker war für mich immer mehr ein Hobby als ein Beruf. Ich denke, meinen großen Durchbruch schaffte ich bei der 2004er World Series, als ich den vierten Platz beim Main Event belegte. Kurz darauf beschloss ich, mich so viel Poker zu spielen und über das Spiel zu lernen wie möglich. Davor war ich nicht herausragend erfolgreich und verbrachte auch nicht viel Zeit mit Pokern.

John: Angefangen hat es mit Ihrem frühen Übertritt aufs College, dem Einschlagen des Kurses der Technologie, Ihrem hohen Profit und der daraus resultierenden finanziellen Etablierung...

PHIL: Nun, das ist übertrieben. Fast jeder glaubt dass ich viel mehr Geld mit diesem Geschäft verdient habe als ich in Wirklichkeit tat. Sie müssen verstehen, dass ich einer von 50 Angestellten in dieser Firma war. Ich war zwar der erste Angestellte, aber immer noch einer von 50. Wir hatten Risikokapitalanleger, wir hatten Investitionskapital...Wenn es heisst, dass wir für 95 Millionen verkauft haben, glauben Sie nicht dass ich an die 95 Millionen Dollar habe. Nicht einmal annähernd. Es war genung um in Rente zu gehen. Aber es waren auch nicht um die 20 Millionen. Das ist verrückt.

John: Sie bekamen genung, um die Reise Ihres Lebens zu machen. Erzählen Sie uns von dieser Reise -- wie kamen Sie auf die Idee, was war ihr persönliches Highlight, was werden Sie niemals vergessen...

PHIL: Reisen ist Flucht und Laune. Manches Flucht, manches Laune. In meinem Fall war dies nicht anders. Teil meiner Reise war es, von einingen schlechten Dingen, mit denen ich zu kämpfen hatte, wegzukommen, was in den USA hauptsächliche meine damalige Freundin betraf. Ich wollte die Welt sehen. Das ist der Flucht-Teil. Der Teil der Laune bestand darin, dass ich in die Welt hinaus und etwas verändern wollte, und herauszufinden, um was es in der Welt wirklich geht. Es gibt zwei Gründe, warum Leute ihr Habe einer wohltätigen Organisation stiften, ihren Rucksack packen, und ein Ticket ohne Rückflug nach Afrika buchen, und ich unterscheide mich in dieser Hinsicht nicht von all den anderen. Nun, ich war gut vier Jahre unterwegs: ich verbrachte knapp ein Jahr in Afrika, vier Monate in Südamerika, sechs Monate in Australien, vier Monate in Südostasien, eine lange Zeit in Europa, einen Monat in Alaska und dem Rest. Und die ganze Zeit über war ich als Rucksackreisender unterwegs, habe Leute getroffen, gesehen wie sie leben, mit ihnen gegessen, bin in ihre Kultur eingetaucht. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung, die mein Leben veränderte. In dieser Zeit habe ich viele Highlights erlebt: die Besteigung des Kilimanjaro, Sporttauchen mit großen Weißen Haien in Südafrika, den Monat, den ich in Äthiopien verbrachte, werde ich niemals vergessen, den Inka-Pfad entlangwandern, und das Amazonasgebiet. Wir wanderten ein paar Tage am Amazonas entlang, dann bauten wir ein Boot aus Balsaholz und fuhren damit den Fluss hinunter, während wir Fische mit einem Speer fingen. Das war ein fantastisches Erlebnis. In den sechs Monaten in Australien kaufte ich einen Toyota Land Cruiser und fuhr damit 20000 Meilen alleine im Kreis. Ich sah das Great Barrier Reef und hatte jede Menge Spaß mit den Australiern. Jede Menge Spaß, Abenteuer, und teilweise gefährliche - aber immer unterhaltende und prägende - Erlebnisse.

John: Auf so einer Reise muss man sehr viel über die Welt und auch über sich selbst lernen.
Das ist das Nonplusultra...

PHIL: Ein Vorteil des Alleinreisens ist, dass man niemals Kompromisse machen muss. Ich tat genau das, was ich tun wollte, wann ich es wollte und wie ich es wollte. Ich denke, das war sehr wertvoll. Ich glaube, es wäre nicht dasselbe gewesen, wenn ich einen Freund dabei gehabt hätte, oder eine Art von Kompromiss hätte machen müssen. Natürlich hatte ich das Glück, finanziell besser ausgestattet zu sein als die meisten Leute die ich auf meinem Weg traf, aber ich führte einen sehr ärmlichen Lebensstil während dieser Zeit. Ich glaube das ganze Jahr in Afrika kostete mich ungefähr 16000$. Ich meine, das war nicht viel Geld.

John: Sie haben die Nacht nicht in noblen Hotels verbracht oder ähnliches.

PHIL: Nein, nein. Ich schlief in Jugendherbergen, bei Leuten zu Hause, im Zelt - es war ein niederer Lebensstandard, aber eine hohe Lebensqualität, wenn Sie verstehen.

John: Oh ja, ich verstehe. Es war wahrscheinlich besser als in amerikanisierten Hotels zu bleiben oder eine Art organisierte Tour mit Führern durchzuführen. Das war nicht das, was Sie suchten.

PHIL: Nein, das war nicht was ich suchte. Ich suchte nach authentischen Erfahrungen, mehr nach dem echten Leben als diesem "konservierten", Sie wissen schon, in dem jede Minute eines jeden Tages fest geplant ist. Aber diese Art von Reisen haben sicher auch ihren Nutzen. Es ist besser solche Reisen zu machen als gar keine. Aber sie bieten nicht die Art von Erfahrungen, die ich wollte. Überall wo ich hinflog, buchte ich Tickets ohne Rückflug, denn ich wollte nicht irgendeinen Flug erwischen müssen. Wenn ich eine schöne Zeit haben sollte, würde ich länger bleiben. Wenn ich mich schlecht fühlen sollte, konnte ich zum Flughafen fahren und an einen Ort fliegen, wo ich noch nie zuvor war. Dies tat ich ziemlich oft.

John: Und Sie hatten keinen Zeitplan? Sie hatten keinen Zielort im Kopf?

PHIL: Nein.

John: Was brachte Sie dann zu Ort A oder zu Ort B? War es eine Laune, eine Neigung -- oh, wie wärs als nächstes mit Bali?

PHIL: Nun, Ich würde ja Leute treffen auf meiner Reise. Es gibt einen ganzen Kreis von Weltreisenden da draußen. Die meisten sind aus Europa; vor allem Holländer, Deutsche und Briten sind leidenschaftliche Weltreisende. Sie alle nehmen sich ein oder zwei Jahre nach der Universiät Zeit, um auf Weltreise zu gehen. Also würde ich sie in Bars und Restaurants treffen und an Touristen-typischen Orten, und ich würde Freunde finden. Weil ich allein reiste, war ich gezwungen, Freunde zu finden. Und, wissen Sie, die Unterhaltung dreht sich fast immer um "wo waren Sie schon, was haben Sie gesehen, war es dort schön, und wo haben Sie übernachtet?" Was erwarten Sie von einer Gruppe Reisender, die ihre Geschichten und Erfahrungen verglichen. Zu der Zeit als ich in Malaysia oder so war, und ich einer Gruppe Reisender über den Weg lief, die gerade aus Vietnam, oder Bali, kam, sagte sie immer: "Sie müssen runter nach Bali fahren." Ich sagte, "das klingt nach einer wirklich guten Idee, das werde ich tun." Ich ging einfach zum Flughafen und kaufte ein Ticket nach Bali.

John: Wissen Sie was, Ich bin deswegen fast neidischer aus Sie als auf Ihre Pokererfolge. Diese Reiseerfahrung ist unglaublich...

PHIL: Und ich würde sagen, dass trotz all der Erfolge beim Pokern, einschließlich der Bestseller und den Fernsehshows und all dem Ganzen, die Reiseerfahrungen wertvoller sind, persönlich gesehen.

John: Bei all dem, was Sie beim Pokern erreicht haben, bei Ihrer Bildung, der Technologie und Cisco als Käufer, der Reise, der Fernsehshow, was ist die größte Errungenschaft Ihres Lebens? Worauf sind Sie am meisten stolz?

PHIL: Hm, ich werde es eher allgemein formulieren als es auf eine bestimmte Sache zu beschränken. Worauf ich am meisten stolz bin, ist, das beste aus jeder Situation herausgeholt zu haben, in der ich mich befand. Viele Leute haben Mitte der 90iger viel Geld mit dem Internet verdient, aber nicht alle hatten den Mut, dieses Geld zu nehmen und etwas wichtiges für sich selbst zu tun. Es gibt hautzutage hunderte von Leute, die einen Platz in der Welt des Profipokerns für sich beanspruchen, aber nicht alle unter ihnen haben so hart gearbeitet wie ich über die letzten paar Jahre.

John: Wo wir gerade von Ihren Errungenschaften sprechen, wie kamen Sie dazu "Celebrity Poker Showdown" zu moderieren?

PHIL: Ich war auf einem Doppeldate mit Hank Azaria, meiner damaligen Freundin und eine ihrer Freundinnen. Ihre Freundin kannte Hank und wir gingen alle zusammen auf ein Doppeldate, aber ich kannte Hank zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Übers Wochenende freundeten wir uns an, und Hank sagte, dass er Freunde habe, mit denen er Sonntag Abend in LA Poker gespielt hatte: Josh Malina, der Will Bailey bei "West Wing" spielt, und sein Freund Andy, der schon seit langem beim Fernsehen arbeitete. Die World Poker Tour hatte gerade angefangen, und sie hatten die Idee, eine Show zu produzieren, in denen berühmte Persönlichkeiten für einen guten Zweck Poker spielen. Ich hatte gerade das World Poker Tour Event in Aruba gewonnen, drei Final Tables in zwei Jahren bei der World Series erreicht, und Hank sagte: "Hey, du scheinst eine gute Persönlichkeit zu haben. Du scheinst, als würdest du gut in die Show passen. Kann ich ihnen deine Telefonnummer geben?" Ich antwortete sowas wie `klar, hier ist meine Nummer.´ Josh und Andy luden mich die Woche darauf zum Frühstück ein, und sie boten mir die Show an, und das war eigentlich alles. Sie interviewten zwar zur gleichen Zeit auch noch Phil Hellmuth und Annie Duke für die Show, aber aus dem ein oder anderen Grund blieben sie bei mir.

John: Finden Sie, dass irgendeine dieser Berühmtheiten ernstzunehmende Pokerfähigkeiten besitzt?

PHIL: Es gibt viele großartige Spieler unter den berühmten Persönlichkeiten. Tobey MacGuire ist großartig; Ben Affleck ist offensichtlich sehr talentiert, obgleich ich nicht weiß wieviel er noch spielt; James Woods; Hank Azaria ist ein hervorragender Spieler; Matt Perry hat viel Talent; Sarah Rue; Shannon Elizabeth; Jennifer Tilley - Ja. Es gibt viele.

John: In welche Richtung siehst du den unternehmerischen Aspekt des Pokerns gehen? Es wird viel darüber geredet, dass sich Poker Spieler besser organisieren wollen.

PHIL: Ich finde, die Spieler sollten sich in der ein oder anderen Form von Organisation befinden. Es gibt dieses Geschäft mit der World Poker Tour und ihren Spielerfreigaben; dies ist nur ein weiterer Hauptgrund dafür, dass die Spieler einen Sprecher bekommen müssen. Und ich weiß nicht, wie es dazu kommen soll, denn es scheint nicht einen Spieler mit genügend Geld, Zeit und Energie zu geben, um soetwas auf die Beine zu stellen. Sicher werden die Spieler keinem außenstehenden "Nicht-Spieler" trauen. Ich weiß wirklich nicht, wie das zu schaffen ist, aber ich bin voller Hoffnung, dass jemand dieser Aufgabe gewachsen ist und sie anpacken kann. Aber dennoch habe ich nicht viel Glauben daran. Poker ist kein Mannschaftssport, und deshalb verhalten sich die Spieler wie Einzelgänger und Individualisten. Es wird sehr schwierig sein, sie alle auf diesselbe Seite zu ziehen und dazu zu bringen, zu allem zuzustimmen. Wenn sagen wir 5 oder 10 Spieler einfach nicht mögen, wie sich etwas entwickelt, gehen sie halt einfach weg und spielen trotzdem im Turnier mit, und dann haben wir wieder keinen Status und keine Autorität in der Pokerwelt. Mir würde es sehr zusagen, aber ich sehe es einfach nicht in absehbarer Zeit kommen.

John: Richtig...

PHIL: Was die Körperschaften betrifft, glaube ich, dass über die nächsten paar Jahre die "Corporate America" (Anm.: Großunternehmen Amerikas, die nicht im Besitz der Regierung sind - Wall Street) die Aufgabe in Angriff nehmen wird und mehr Spieler sponsorn wird. Ich sehe es schon als großes Glück der Spieler, genügend Zeit im Fernsehen zu bekommen um einen gewissen Wiedererkennungswert zu erreichen, ich habe definitiv Sponsorenverträge mit Großunternehmen, dazu Werbespots im Fernsehen und solche sowohl letztes als auch das kommende Jahr. Ich denke, dies wird ein weiteres Wachstum erleben. Die OnlinePoker Anbieter werden weiterhin außergewöhnlich gut laufen und wachsen. Die großen Turniere werden gut über die Bühne gehen. Die World Series erwartet dieses Jahr mit über 7500 Spielern, und es würde mich nicht überraschen, wenn die 8000 Spieler-Marke geknackt werden würde.

John: Ich war dieses Jahr bei der World Series, und Sie scheinen sich dort sehr wohl zu fühlen, sowohl an den Tischen als auch abseits. Ich merkte deutlich, dass Sie das Pokern geniessen, genauso wie die Leute drumherum, ob Spieler oder nicht.

PHIL: Eine Sache, die ich realisiert habe, ist, dass ich in meinem Leben sehr viel Glück hatte. Mir wurde eine Freiheit und Flexibilität geschenkt, die nicht jedem zu Teil wird, und ich versuche das Beste herauszuholen. Wenn ich an einer Sache keinen Spaß habe, dann ist sie meine Zeit nicht wert. So einfach ist das. Wenn ich nicht vollends beschäftigt, vorbereitet und die größtmögliche Freude daran habe, dann mache ich etwas anderes. Einer der Gründe, warum ich zur Zeit nicht in so vielen Turnieren mitspiele wie gewohnt, ist, dass mir derzeit andere Dinge mehr Spaß machen. Das bedeutet nicht dass ich das Pokern an den Nagel gehängt habe. Ich spiele ausreichend Turniere, um aktiv zu bleiben - ich habe zwei Final Tables bei der WSOP im letzten Jahr erreicht, ich habe es an den Finaltisch beim Live Event im Wynn geschafft, und ich hatte ein großartiges Jahr 2005 durch den Gewinn mehrerer hunderttausend Dollar an Preisgeld. Ich habe nicht 300 Tage fürs Pokern investiert wie manche meiner Zeitgenossen.

John: Also was lenkt Sie nun derzeit vom Pokern ab?

PHIL: Nun ich habe zwei Hauptablenkungen. Die erste ist meine Organisation "Bad Beat on Cancer" , mit welcher ich Spendengalas für die Krebsforschung und -vorsorge organisiere. Ich stecke dort sehr viel Arbeit hinein. Ich habe versprochen, dieses Jahr eine Million Dollar zu sammeln. In der Tat ging es in den letzten drei Telefongesprächen vor diesem Interview um Spenden für wohltätige Zwecke. Ich habe viele private Seminare gespendet; heute habe ich schon zwei durchgeführt. Leuten, die 500$ für die Krebsforschung und -vorsorge spenden, gebe ich eine halbe Stunde Privatunterricht am Telefon.

John: Oh, klasse! Wie können sich unsere Leser darüber informieren? Haben Sie eine Website?

PHIL: Ja, sie wird gerade veröffentlicht. PR-Leute kümmern sich gerade darum. Es gibt eine Website unter www.badbeatoncancer.org. Wir veranstalten eine große Promi-Spendengala in LA. Es gibt eine Gala im April, eine im Mai und eine im Juni. Und die "Bad Beat on Cancer"-Organisation wird von der World Series of Poker unterstützt und findet im Juli und August statt. Ich weiß nicht wo diese eine Million Dollar herkommen sollen, aber ich arbeite jeden Tag hart daran, um sicherzugehen, dass die Leute von unserer Initiative hören und von der guten Arbeit, die wir hineinstecken.

Die zweite große Sache, die meine Zeit beansprucht, ist meine neue DVD-Firma. "Expert Insight" ist ein neues Unternehmen, die Lernmedien produziert, und ich bin der Generaldirektor. Unser erstes Projekt war "Final Table Poker", meine DVD. Unsere zweite DVD wird in wenigen Wochen auf den Markt kommen; sie heißt "Andy Block's Beating Blackjack". Andy war Mitglied des MIT Blackjack-Teams. In seinem Video, ähnlich wie in meinem, befinden Sie sich in seinem Kopf. Er zählt Karten, er spielt eine perfekte Grundstrategie, und er spielt mit einem Blackjack-Team. Ziemlich ähnlich zu dem MIT Blackjack-Team, in dem er war. Das ist ziemlich cool. Es wird ein Golfvideo geben, welches wir im März drehen. Wir werden noch 5 oder 6 Videos mehr zu verschiedenen Themen machen dieses Jahr. Das Unternehmen wächst rasch, und es läuft außergewöhnlich gut. Der Generaldirektor eines wachsenden Medienunternehmens zu sein lässt nicht viel Zeit für andere Dinge.

John: Nun zu Ihrem neuesten Buch, wie kamen Sie darauf, "The Little Green Book" zu schreiben und warum sollten die Leute eher Ihr Buch als ein anderes auf dem Markt kaufen?

PHIL: Naja, mein erstes Buch erschien im Oktober 2004, und es hieß: "Poker: The Real Deal". Dieses Buch war in erster Linie an die Leute gerichtet, die "Celebrity Poker Showdown" sahen. Es war für Leute die nicht viel Erfahrung im Pokern hatten und einfach wissen wollten, worum es überhaupt geht. Ich nenne es die "Poker-Lifestyle Bibel". Es verkaufte sich ca. 125000 mal im ersten Jahr, was ziemlich gut ist für eine gebundene Ausgabe. Kurz nachdem dieses Buch veröffentlicht worden ist habe ich viel Feedback von Kunden und Leuten bekommen, die mehr über NoLimit Texas Hold'em wissen wollten. So hatte ich die Idee von "Little Green Book"...glücklicherweise standen Simon and Schuster (Anm.: Amerikanischer Verlag) hinter dem Buch. Ich schrieb "The Little Green Book" in ungefähr 2 ein halb Monaten. Es hat 286 Seiten über die NoLimit Hold'em Strategie, die ich auch spiele. Ich behaupte bekanntermaßen nicht, der beste Spieler der Welt zu sein. Ich glaube auf keinen Fall, dass ich das bin. Aber ich denke, dass ich eine gute Chance auf den Titel des besten Lehrers der Welt habe. In dem Buch lege ich die Strategie sehr klar, kurz und bündig dar, und hoffentlich auf eine Art und Weise, dass die Leser einige Grundprinzipien von NoLimit Hold'em verstehen können, welche sie sonst nirgends finden werden.

John: Ein gutes Beispiel dafür ist, meines Erachtens, wenn Sie über einen schwierigen LayDown sprechen. Sie hatten eine Ahnung, dass Phil Hellmuth AA hält und foldeten ihr Paar Könige preflop. Ich finde dies ist der springende Punkt. Jeder glaubt es geht darum, besonders aggressiv zu sein, aber man kann einen Final Table auch erreichen, indem man öfters schwierige LayDowns macht...

PHIL: Ich sage es am liebsten so: Das Lieblingswort eines Pokerspielers mit 4 Buchstaben beginnt mit "F". (lacht)

John: (lachend) Der Spruch gefällt mir. Ich denke, sie werden das rausschneiden wenn Sie das im Fernsehen sagen.

PHIL: Ja, Folden ist essentiell für Erfolg. Aber Aggression und all das Zeug auch. Ich stelle mir gerne vor, dass das "Little Green Book" und die "Expert DVD" schlechte Spieler zu guten macht und gute Spieler zu großartigen Spielern.

John: Und Sie spielen online auf Full Tilt Poker...

PHIL: Ich bin Mitglied des Full Tilt Teams. Ich bin einer der 10, und stolz darauf.

John: Haben Sie oft die Möglichkeit, online zu spielen?

PHIL: Ich spiele ungefähr 5 bis 10 Stunden pro Woche. Teil des Deals mit Full Tilt ist es, niedrige Limits zu spielen. Ich spiele .50/1, .25/.50, ich habe letzten Monat 2 Stunden um Speilgeld gespielt. Wissen Sie, es geht einfach um Lernen, Chatten und Spielen mit den Profis. Es ist eigentlich der einzige Platz online, an dem dies möglich ist.

John: Sie haben die Organisation "Bad Beat on Cancer" erwähnt. Sie und ein Freund haben dafür auf sehr interessante Weise Geld gesammelt. Sie nannten es das ultimative Sportabenteuer?

PHIL: Das war die größte Zeitverschwendung in der Geschichte der Menschheit. Rafe ist seit 15 Jahren mein bester Freund. Vor ein paar Jahren beschlossen wir, ein Wohnmobil zu kaufen und alles einzulagern, wieder einmal. Wir starteten zum ultimativen Sportabenteuer. Wir begannen beim Super Bowl in San Diego, fuhren 42000 Meilen zu 140 Sportveranstaltungen in 40 verschiedenen Staaten über die Dauer eines einzigen Jahres. Wir starteten beim SuperBowl und hörten beim SuperBowl auf. In der Zwischenzeit sahen wir jedes große Sportereignis. Wir haben die Verleihungen aller großen Trophäen gesehen, einschließlich aller drei "Triple Crown" Rennen, den 3 großen Golfturnieren (Masters, PHILA, US Open), die Tennis US Open, die Meisterschaft im Kinderbaseball, den Stanley Cup, die College-Meisterschaft, die Profi-Meisterschaft (MLB), die NBA Finals, Daytona und Indianapolis, die WSOP war natürlich auch dabei, hm, die Weltmeisterschaft im Eiskunstlaufen, die US-Tischtennismeisterschaft, wir bespielten die Top 25 der öffentlichen Golfplätze, sahen 26 Baseball-Stadien...und wir aßen eine unglaubliche Menge an scheußlichem Stadionsessen.

John: OK, das wars. Jetzt ist es offiziell. Das ist die "ultimative Sport-Rundreise."

PHIL: Wer mehr sehen will: www.ultimatesportsadventure.com

John: So, wie ist Ihr Golfspiel?

PHIL: Mein Golf wird immer besser. Ich bin vor kurzem einem Country Club in Vegas beigetreten. In letzter Zeit habe ich mehr gespielt, aber es ist schwer, Zeit zu finden. Ich arbeite hart daran. Ich werde dieses Jahr wieder an Michael Jordans Promi Golfturnier teilnehmen. Ich freue mich schon darauf, besser zu spielen als letztes Jahr!

John: Und Sie befinden sich in einer Beziehung. Zeit muss von Bedeutung sein.

PHIL: Ich habe seit ein paar Jahren eine Freundin. Sie ist wundervoll. Sie lebt in Vancouver, also sehen wir uns nicht so oft. Wer weiß, vielleicht wird sich das bald ändern.

John: Mit Ihrem strammen Zeitplan muss das sehr hart sein.

PHIL: Ja, aber sie ist Firmenanwältin, folglich ist sie auch sehr beschäftigt - Fusionen und Übernahmen. Hochkarätige und energische Anwältin in einer Firma dort oben, also hat sie eh nicht viel Zeit. Wir sind seit ein paar Jahren zusammen und es läuft ganz gut.

John: Ich genieße die Zeit mit Ihnen. Großartiger Stoff. Irgendetwas, was Sie noch anfügen wollen?

PHIL: Ich will Sie nur noch bitten, die "Bad Beat on Cancer"-Website zu besuchen: www.badbeatoncancer.org. Surfen Sie mal drauf. Ich habe eine Vielzahl an unterschriebenen Erinnerungsstücken gespendet: unterschriebene DVDs, Exemplare meines Buches, private Pokerstunden. Ich würde mich freuen, wenn Sie es sich anschauen würden.

Zusätzlich zu seinem Dasein als Poker-Liebhaber ist John ein geprüfter Berater im Staat Pennsylvania und ein national geprüfter Berater (NCC). Er hat einen Master of Arts-Abschluss als Berater an der West Virginia Universität, und einen Bachelor in Psychologie mit Nebenfach Soziologie an der Lock Haven Universität. Mehr über Psychologie beim Pokern vom "Poker-Berater" bekommen Sie von carlisle14@hotmail.com.

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