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The Poker Counselor’s Corner, #6

Von: John "Poker-Counselor" Carlisle, MA

Anmerkung der Redaktion: John ist nicht nur ein Pokerliebhaber, Glücksspiel-Kolumnist und Dozent, sondern auch ein national geprüfter Berater (NCC) und übt diese Tätigkeit in seinem Heimatstaat Pennsylvania aus. Er hat einen Master of Arts-Abschluss als Berater an der West Virginia Universität, und einen Bachelor in Psychologie mit Nebenfach Soziologie an der Lock Haven Universität. Anfragen nach Interviews oder Gesprächen oder sonstige Fragen senden Sie dem "POker-Berater" bitte via E-Mail an carlisle14@hotmail.com.

Ich habe vor kurzem mit Online-Poker angefangen. Anfangs habe ich ein paar Dollars verdient, aber dann wurde ich emotional irgendwie abgelenkt und bin in ein Loch gefallen, oder eher ein großes Loch.......lol. Ich versuche, eine gute Strategie zu entwickeln, um das Geld zurückzugewinen, das ich verloren habe. Ich rechne so mit 50$ pro Tag. Ich denke, dass wenn ich an einem Tisch mit einem Durchschnittspot von 100$ spiele, wie zB NL 5$/10$, wäre es leichter, 50$ pro Tag zu machen wegen der Potgröße. Wenn ich die 50$ verliere, höre ich auf, und wenn ich die 50$ gewinne, höre ich auf, was immer als erstes kommt. Ich denke, mindestens 300$ Bankroll an den Tisch mitzunehmen, wäre sinnvoll. Ich halte mich selbst für einen durchschnittlichen, semi-Tighten Spieler. Was halten Sie von dieser Strategie? Wenn Sie irgendeinen anderen Rat haben, würde ich mich sehr freuen. - gestellt von Tom im pokernews.info Onlineforum.

Da sind ein paar verschieden Schlüsselpunkte, die du durchdenken und/oder neu bewerten solltest, bevor du deinen nächsten Flop spielst. Das Gute ist, dass du erkannt hast, dass Emotionalität und grundlegende perönliche Psychologie Grundsteine für einen langzeitigen Erfolg beim Pokern sind, da du, wie du selbst zugibst, emotional außer Kontrolle geraten bist. Wir sehen, dass du dir in der Tat ein bestimmtes Ziel gesetzt hast -- 50$ Gewinn pro Tag. Der Antrieb hinter diesem Ziel ist es, was mich von Beginn an beunruhigt, da du verzweifelt versuchst, "auf Null zu kommen", indem du eine neue Strategie benutzt. Solche kurzfristigen Ideen führen oft zu desaströsen Ergebnissen beim Pokern. Wann immer du angetrieben bist von Emotionen, wie zum Beispiel Frust nach einer Serie von Niederlagen, zeigst du ein ernstzunehmendes Anzeichen des Tiltens. Viele Spieler nehmen fälschlicherweise an, dass Tilten ein zeitlich begrenztes Phänomen ist, welches nur ein paar Hände oder einzelne Sessions betrifft. In Wirklichkeit hat der Zustand des Tiltens manche Spieler über erstaunlich lange Abschnitte (Monate und Jahre) ihrer Karriere beeinflusst. Ohne es zu merken, hast du einen innerlichen Kampf mit dir selbst und deinen Emotionen begonnen. Dein Zustand des Tiltens wurzelt vermutlich in einem Gefühl von Unsicherheit. Es wird verstärkt durch einen bekannten Fehler, den viele neue Spieler machen: du bewertest dein Pokerkönnen anhand der Größe deiner Bankroll. Zu Beginn gingen deine Emotionen hoch und dein Selbstvertrauen gipfelte in Anbetracht deiner guten Strähne. Nun haben ein paar Verlustsessions dein eh schon wackelndes Selbstvertrauen direkt angegriffen. Hättest du mehr Vertrauen in dich und dein Pokerkönnen, hättest du weniger Probleme, deine Verluste zu akzeptieren und zu verarbeiten. Ich ermutige Spieler immer dazu, ihre finanziellen Gewinne und Verluste nur sekundär zur Bewertung heranzuziehen. Die erste Bewertung ist relativ einfach: " Werde ich besser und was habe ich gelernt?" Ich hatte Abende, an denen ich mehrere hundert Dollar verloren habe, und dennoch sah ich diese Abende als Erfolg. In diesen Zeiten von schlechten Sessions und Bad Beats, sehe ich oftmals leichter die Lücken in meinem Spiel, erkenne schlampig gespielte Hände, und lerne von den geübten Spielern, die mir meine Chips abnehmen. Mein Rat ist deshalb: vergiss deine Strategie, dein verlorenes Geld schnell zu ersetzen. Stattdessen arbeite daran, von deinen vergangenen Fehlern zu lernen, um die Chancen für eine Wiederholung eines solchen Verlustes zu minimieren. Beginne, an dich zu glauben und an deine Fähigkeiten, und erlaube dir niemals, dein Selbstwertgefühl von deiner Gewinn/Verlust-Rechnung abhängig zu machen. Nachdem du diese Teile des Psychologie-Puzzles zusammengefügt hast, kannst du sicher sein, dass deine Verluste langsam zurück in deine Bankroll kommen werden, wenn du deine normalen Tische spielst. Außerdem merke dir, dass Pokern eine lebenslange Reise ist, nicht ein alleinstehendes Ereignis. Pack es an.

Berater, Pokern hat mir immer so viel Spaß gemacht. Seit ich fast jeden Tag online spiele, ist es irgendwie nicht mehr dasselbe. Was denken Sie? - gestellt per E-Mail von Douglas T. aus Missouri

In einem kürzlich erschienen Artikel in einem Pokermagazin schrieb ich: "Pokern ist ein lebenslanger Marathon, kein Sprint." Über die Dauer deiner Pokerkarriere wirst du dich nicht nur persönlich bemerkenswert verändern, sondern auch deine Meinung über Pokern wird sich unweigerlich verändern. Ich bemerke, dass viele neue Spieler begonnen haben, ein Gefühl von Ernüchterung für das Spiel zu entwickeln. Es scheint, dass ihre anfängliche Lust aufs Pokern einen regelrechten Sprint am Anfang verursacht hat, als sie tausende Hände online spielten, zahlreiche Pokerlernbücher und -lernwebsites verschlangen und jede Sendung im TV anschauten, in der es ums Pokern ging. Der Nervenkitzel des Spiels, die Aussicht auf einfach verdientes Geld, und die Intensität des Konkurrenzkampfes zogen sie in ihren Bann, aber dies reicht vielleicht nicht, um sie zufriedenzustellen. Ich sehe dich im Moment an einem ähnlichen Punkt, da die nächste Phase deines Pokermarathons eingesetzt hat. Während das Pokern immer mehr zu einem Teil deiner Selbst wächst, wird es eine bestimmte Rolle in deinem Leben und deinem Selbstbild einnehmen. Es mag vielleicht nicht immer das Verlangen nach grenzenloser Aufregung erfüllen wie es dein erstes Turnier getan hat, aber es wird immer noch ein gewisses Gefühl von psychologischem Drang nach Befriedigung und Zugehörigkeit auslösen. Gleichfalls wird dich eine beständige Verlockung dazu bringen, dich zu verbessern, gegeneinander anzutreten und geistig auf der Höhe zu fühlen. Nicht das Pokern hat sich verändert, sondern die Art und Weise, wie du das Spiel erlebst, hat angefangen, sich zu verändern. Akzeptiere und nimm dich dieser Tatsache an, und ich bin sicher du wirst weiterhin Spaß am Pokern haben - auf eine andere Weise.

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