Während einer Hand wird normalerweise auf einen oder mehrere Spieler, die in der Hand noch übrig sind, Druck ausgeübt. Das ist der Punkt wo Geld verdient oder verloren wird. Die Person, die den Druck ausübt, ist gewöhnlich im Vorteil. Deshalb bringt es einen Vorteil über die nächsten Spieler, wenn man in der Lage ist, zur richtigen Zeit den meisten Druck auszuüben.
Ich glaube das ist einer der Schlüsselkonzepte in NL, die man in SNGs und MTTs gut umsetzen muss. Das gleiche Prinzip ist weitgehend auch in Ring Games anwendbar, aber mit einem begrenzten Chipbetrag auf dem Tisch. Am höchsten Druckpunkt der Angreifer zu sein, ist auch hier ein großer Vorteil.
Ich erfinde hier nicht irgendetwas. Ich schaue auf die Anatomie einer NL Pokerhand nur ein wenig anders. Mit den Einsätzen wächst der Druck auf jeden Spieler bis alle pot-committed sind und der ganze Druck dann spürbar nachlässt. Das ist der Höhepunkt des Druckes, wenn Du willst. Viele haben schon zuvor gesagt, dass der Unterschied zwischen winning und loosing Spielern in den Entscheidungen zu suchen sind, die sie unter Druck machen müssen. Wenn Du Deinen Gegner zwingst, harte Entscheidungen zu fällen, bist Du jedenfalls besser dran, als selbst eine harte Entscheidung fällen zu müssen. Bei harten Entscheidungen, meine ich solche, die unter Druck erforderlich sind.
Du möchtest die Größe des Pots kontrollieren und die Hand manipulieren, so dass Du derjenige bist, der den Druck-Einsatz hineinbringt. Es ist wichtig zu beschreiben, was eine Druck-Einsatz ist, bevor ich beschreibe, wie man da hinkommt. Ein Beispiel:
Du hast Asse und erhöhst und wirst gecallt. Im Pot sind 75 $. Der Flop ist T98. Du wettest den Flop und wirst gecallt. Pot ist 225$. Der Turn ist 6. Du setzt 200$ und wirst auf weitere 700$ geraist. Du hast noch 1200$ übrig und Dein Gegner hat dich zugedeckt
Bemerkst Du, dass der Druck, der hier auf dich ausgübt wird, der Höhepunkt der Hand ist. Du wirst gezwungen, 700$ zu callen und weißt genau, dass Du ebenso um Deine letzten 500 $ spielst. 700$ und weitere implizierte 500$ sind der grösste Druck (Geld), der während dieser Hand angewandt wird. Du hast nur 500$ übrig, deshalb kannst Du nicht mehr Druck auf Deinen Gegner ausüben, als er gerade auf Dich angewandt hat. Die 700$ Erhöhung sind die Spitze oder der Druck während dieser Hand. Wenn Deine Stack-Größe 5000$ wäre, dann hättest Du noch Möglichkeiten, viel Druck (Geld) auszuüben und Du könntest eine neue Spitze schaffen.
Je kürzer die Stacks, umso eher wird in der Hand die Druck-Spitze erreicht.
Dieser Standpunkt scheint viel mit der Pot-Limit-Strategie gemeinsam zu haben, wo die Manipulierung der Pot-Größe entscheidend ist, aber ich spiele nie PL, so dass Du dort Deine eigene Bewertung finden musst.
Generell (alles ist in Poker abhängig), versuche ich zwei Dinge, bevor der höchste Druckpunkt in der Hand erreicht wird. Ich versuche Informationen über die Hand des Gegners zu bekommen und ich versuche in Position zu kommen, um derjenige zu sein, der den Druckeinsatz machen kann.
Lese den letzten Satz nocheinmal.
Sobald Du auf den Druck-Punkt der Hand triffst, ist die Person, die die Entscheidung trifft, die Person, die die Hand für beide Spieler entscheidet. Wenn Du derjenige bist, der unter Druck gestellt ist, dann möchtest Du soviel Information über die Hand Deines Gegners wissen, wie möglich. Wenn Du die Hand auf solche Art und Weise spielst, dass Du nicht wirklich viel Information von Deinem Gegner bekommst, wirst Du weniger Information haben als Du wünscht, um die richtige Entscheidung zu treffen.
Den Gegner in die Lage zwingen, dass er derjenige ist, der eine harte Entscheidung fällen muss, ist offensichtlich (ich hoffe es) ein großer Vorteil.
Das ist die Basis wie ich sie sehe.
Idealerweise kannst Du die Situation ein wenig weiter optimieren. Was wäre, wenn Du Deinen Gegner in die Situation bekommen könntest, eine harte Entscheidung zu machen, ohne einen Read auf Deine Hand? Aha, nun reden wir.
Wir wollen offensichtlich soviel wie möglich über des Gegners Hand wissen, bevor wir uns entscheiden, Druck auf ihn auszuüben. Einen großen Einsatz in die Nüsse hinein ist nicht wirklich Druck, wir wissen das.
Auf diesem Strom der Besinnung entlang fortfahrend, wollen wir grundsätzlich den Bereich der Hände vermindern, den unser Gegner hat, so viel wie möglich und so bald wie möglich. Wir wollen unsere Bereichsreserven (Handranges) so viel wie möglich ausweiten, und wir wollen die Pot-Größe so manipulieren, dass es an uns liegt, wann ein ausreichend großer Einsatz gemacht werden kann, um den grössten Teil des Drucks der Hand anzuwenden. Alles ziemlich grundlegend in Poker, richtig?
Der Grund, warum ich dieser Betrachtung einer NL-Hand soviel Wert beimesse ist, weil es den Grund beschreibt, um die sich alle Dinge drehen, die "Poker-Basics" ausmachen. Ich sehe häufig Leute ein Spiel rechtfertigen, indem sie sagen, "versuchte herauszufinden, wo ich war", "versuchte mit meiner Hand irreführend zu sein" oder "dachte nicht, dass er callen würde" (Einsatz unter Druck). Durch sich selbst sind jene Dinge nicht alle wichtig. Du brauchst aber alle drei.
Wenn ein Gegner auf Deinen Einsatz einen großen Call macht (einer mit dem Du nicht gerechnet hast), es ist wahrscheinlich, dass er Information über Deine Hand hatte. Eine andere Situation sind sog. "Information Bets", die ich bei vielen Leuten sehe und die grundsätzlich die Hand zum maximalen Druck-Punkt führen, wobei der Gegner die Wahl hat, Druck anzuwenden oder nicht. Wenn man gegen Leute (wie z.B. mich) spielt, die bereit sind, Druck mit reinen Bluffs anzuwenden, riskierst Du, aufgrund Deines Information-Bets unter Druck gesetzt zu werden, weil es ein durchsichtiger Versuch ist.
Ein schnelles Beispiel:
Mit hohen Stack reraise ich einen LAG auf dem Turn mit K-high. Das war der Druck-Punkt. Ich war der Spieler, der die Gelegenheit nutzte, den Druck-Einsatz abzuschließen. Wenn wir kleinere Stacks haben, um die Hand zu beginnen, dann hätte er diese Turnwette auch gemacht und er hätte das Rennen zum Druck-Punkt gewonnen. Er hätte den Topf gewonnen.
In dieser Hand hatte der LAG sehr wenig Information über meine Hand, als er gezwungen wurde, eine große Entscheidung zu treffen. Er musste die Mehrheit seines Stacks abrufen und wußte nur, dass ich 2 kleinere Einsätze auf einem paired Board gecallt habe. Meine Range ist da riesig.
Zurück zu den Konzepten. Herausfinden wo Du stehst ist gut, aber nur wenn es früh genug ist, um am Druck-Punkt nützlich zu sein. Wenn die Stacks kurz sind, ist das Herausfinden weiterer Informationen ein Luxus, der häufig das Verfolgen nicht wert ist. Du wirst mit der Range spielen müssen, die Du bereits hast. Die Anwendung von Druck ist hervorragend, aber wenn das im Vergleich zu dem, was Dein Gegner gerade tat, gering ist, hat es weniger Nutzen.
Weiteres Beispiel:
Du hast JJ und erhöhst in EP. Du wirst reraised. Du setzt Deinen Gegner direkt auf eine top 4 Hand (eine von den 4 besten Rängen, nicht # der Handreihenfolge). Du hast gerade eine Deiner Ziele erreicht, seine Handrange von vielleicht 30 auf 4 einzuengen. Ob man weitermachen sollte, hängt davon ab, wie weit weg der Druck-Punkt sein wird. Wenn sein Reraise ein all-in war oder ein Großteil von einen der beteiligten Stacks, dann ist die Hand grundsätzlich zu Ende. Der Druck liegt auf Dir und Du musst die Entscheidung treffen. Wenn die Stacks sehr hoch sind, dann ist der Druck-Punkt noch weit weg und es muss noch viel Poker in dieser Hand gespielt werden. Nehmen wir an, Du callst und der Flop ist 876. Dein Gegner setzt wieder. Jetzt glaubst Du noch, dass Deine equity unter 50 % liegt (er hat Dich wahrscheinlich geschlagen und Deine outs machen diese Tatsache nicht wett). Die Entscheidung zu callen oder zu erhöhen ist erneut vom Druck-Punkt in der Hand abhängig. Wenn sein Einsatz der Druck-Punkt ist, ist die Hand zu Ende. Allerdings, wenn Du hier weich callst und groß auf seinen Turn-Einsatz erhöhst, wäre das der Druck-Einsatz? Wenn ein pot-sized raise hier den Druck-Punkt setzt, dann kannst Du diesen Einsatz tätigen, wenn Dein Gegner sich nach so einer Art der Aktion von einem Overpaar trennen kann. Mit anderen Worten, kannst Du Deiner Seite folding equity hinzufügen und derjenige sein, der den Druck-Einsatz tätigt? Wenn die Stacks zu kurz sind, dann ist die Antwort nein. Die wichtigen Elemente dieser Hand zu diesem Zeitpunkt sind: 1) einen Read auf den Gegner zu haben, um die folding equity bewerten zu können, 2) zu wissen, dass man wahrscheinlich nur 2 Outs hat und 3) in der Lage zu sein, den den Druck-Einsatz zu setzen.
Letztes Beispiel:
4-händig in einem SNG, ein Spieler limpt in UTG mit AA. Er hatte 8.5 big Blinds übrig und der SB wie auch der BB deckten ihm zu. SB vollendet und BB checked. Der Flop war 652. Der SB setzt und der BB erhöht. Ich begreife, was der AA Spieler hier versucht, aber schaue genau hin, in welcher Lage er ist. Er ist derjenige, der unter dem Druck steht und er weiß nichts über die Hände der anderen Spieler. Wenn er den big Blind verdreifacht hätte (oder auch nur 2.5x), würde er jetzt eine gute Chance haben, derjenige zu sein, der am Flop den Druck-Einsatz macht.
Ich denke, dass Anfänger mit diesem Beitrag lernen können, wie man die Pot/Action während einer Hand manipuliert und für andere, wird es wie in der Hölle verwirrend sein. Es macht für mich Sinn und ich hoffe, dass es einigen von Euch hilft. Diese Sorte von Gedanken sind meines Erachtens der Kernpunkt beim big bet Poker und machen den Unterschied zwischen NL und limit poker aus. Im Limit Poker geht es mehr darum, über die Zeit viele richtige Entscheidungen zu fällen, wohingegen bei NL es mehr darum geht, zum richtigen Zeitpunkt den Druck zu manipulieren.
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