Pokerübertragungen im Fernsehen kann man heutzugage zuhauf anschauen. Auffällig dabei ist vor allem, dass besonders häufig Sportsender Poker übertragen. Dieser Artikel befasst sich im Folgenden damit inwiefern Poker als Sport vergleichbar ist bzw. als Sport angesehen werden kann. Eine zentrale Rolle dabei spielt die geschichtliche Entwicklung des Begriffes Sport.
Bei der Betrachtung der Definition von Sport fällt auf, dass diese sehr eng an die kulturelle und zeitgenössische Entwicklung geknüpft ist. Im Mittelalter wurde Sport ursprünglich eher als Spiel angesehen, das dem Ernst einer Erwerbstätigkeit oder einer kriegerischen Auseinandersetzung gegenübergestellt wurde. Der Sport musste sich von religiösen Vorbehalten befreien, wie sie beispielsweise gegenüber dem Glücksspiel bestanden, und konnte sich ähnlich wie Tanz und Theater zunächst nur im Hofstaat entfalten. Zu Zeiten der industriellen Revolution wurde Sport eingeführt als Ausgleich für die Arbeiter um ihre Produktivität zu gewährleisten.
Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitete sich auch der Begriff Sport dann in Deutschland. Der aus dem Englischen annektierte Begriff Sport stand in einem heftigen Streit mit dem Begriff des Turnens. Unter Turnen verstand man volkstümliche Leibesübungen. Turnen war ein national ausgerichtet verstandener Begriff, welcher alles „fremdländische“ ablehnte.
Sport hingegen war international ausgerichtet. Es verfolgte das Ziel einer Normierung international gültiger Regeln. Darüber hinaus war der neu eingeführte „Sport“ sehr wettkampforientiert. In diesem Verständnis des Sports, dass er international ausgerichtet; mit einheitlichen Regeln und stark wettkampforientiert ist, liegt auch der Zusammenhang zum Poker.
Theorien die den Ursprung des in den natürlich veranlagten Trieben des Menschen zu erklären versuchen, können teilweise auch auf Poker übertragen werden. Denn wer kennt es nicht diesen Trieb unbedingt mitzugehen oder zu Raisen. Dieser Instinkt der uns immer wieder spielen lässt, auch wenn wir verlieren. Der unterbewusste Drang, der uns flüstert, dass wir die nächste Hand gewinnen werden, wenn wir 4 2 auf der Hand haben.
Betrachtet man die Definition des Deutschen olympischen Sportbund (DOSB) von Sport dann gibt es nur einen einzigen Punkt der nicht für Poker als Sportart spricht. Undzwar die Einbeziehung motorischer Aktivität als ein Hauptkriterium.
Der Grund warum Poker heutzutage im Fernsehen übertragen wird liegt daran, dass Poker genau wie Sport spannend; spektakulär ist; Superstars hervorbringt; Frauen miteinbezieht; es Sieger und Verlierer gibt und das Wichtigste: jeder kann es machen. Ob man Dirk Nowitzki sieht wie er im Fernsehen 3er schießt oder ob man Phil Ivey sieht wie er Check-raised; man geht entweder auf den nächsten Freiplatz oder holt den eigenen Chipkoffer raus. Beiden gemein ist also, dass es jeder selber machen kann, egal auf welchem Niveau. Poker ist sozusagen der neue Leistungssport in einer individualisierten Risikogesellschaft. Anders gesagt ist Pokern Extremsport, der von Zuhause aus betrieben werden kann. Poker ist zum einen elitär wie Leistungssport und zum anderen so offen für Jedermann wie der Breitensport.
Wenn man bedenkt, dass inzwischen schon ein Denkspiel wie Schach vom DOSB als Sport anerkannt ist, dann kann man optimistisch hoffen, dass in ferner Zukunft auch Poker offiziell als Sport anerkannt wird. Denn ein wichtiges Kriterium ob beim Schach, Tennis oder beim Pokern bleibt regelmäßiges Training.
Was Poker noch viel interessanter macht, ist gerade dieser Glücksfaktor. Es sitzen oft genug die Profis an Final Tables, was unterstreicht, dass es mehr als Glück braucht, aber oft genug auch sitzen dort auch Newcomer. Und von zehn Spielen gegen Chris Ferguson gewinnt er wahrscheinlich siebenmal. Aber auch der Amateur kann mal dreimal gewinnen. Und wenn man Glück hat, sind diese dreimal bei einem Turnier der WSOP und man kickt einen Pro raus.
Wer heutzutage also noch behauptet, dass Poker kein Sport ist, der ist einfach nur zu faul zum Training zu gehen.
by Melford Pittard
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"Poker als Sport"
Posted September 22, 2008 by dilos