Manchmal sind die ersten Eindrücke schwierig zu ändern. Es scheint, als wäre Scotty´s erstes Image in der Pokerwelt ein Bluff gewesen.
Oder mindestens ein Semi-Bluff.
Wie bei vielen Pokerinteressierten war mein erster Eindruck von Scoty geprägt von der Übertragung der WSOP 2004, in der Fischman zwei Armbänder gewann. Wer damals zusah, sah einen frechen und nachdenklichen Frühzwanziger, der sich auf den Tisch fallen liess, als sein A-K ohne weitere Hilfe Joe Awada´s 5-5 schlug, als 2 Pärchen auf dem Board fielen und damit den Weg für Scotty´s Sieg frei machten. Unter´m Strich war der Bericht darüber sicherlich wiochtiger für Joe Awada´s Berühmtheit als für Fischman´s; wie er die Niederlage wegsteckte brachte ihm den Namen "Gentle Joe", den er noch heute trägt.
Mehr noch, in einem ESPN Feature über die berüchtigte "Crew" fasste Fischman die ganze Geschichte zusammen, dass er und seine Jungs die WSOP im Griff haben und daran niemand Zweifel hegen könne. Der Zuschauer hatte einen 2deutigen Eindruck, talentiert, aber noch sehr unreif.
Nun geschah etwas ziemlich witziges mit Scotty: Er wurde erwachsen. Obwohl ich ursprünglich nicht viel für sein Gehabe übrig hatte, so konnte man doch seine Ergebnisse nicht ignorieren und wer Poker im TV verfolgt kommt ohnehin nicht an ihm vorbei. Je mehr ich ihm zusah, umso besser gefiel mr sein Spiel.
Weiter muss ich zugeben, dass ich auch Gefallen an seinem Verhalten fand. Plötzlich begann er, den Amateuren am Final Table Applaus zu geben, wünschte seinen Gegnern alles Gute mit der Ausstrahlung eines Weltklasse-Talents. er sparte Geld, mit Schlüssel-Laydowns von Pocketpärchen vor dem Flop und machte einen der umwerfendsten Bluffs in der jüngeren Poker-TV Geschichte, als er Dave Ulliott mit 95o aus dem small blind nochmals bombte, nachdem dieser bereits mit dergleichen Hand aus dem big blind attackiert hatte.
Als nun der frühere Dealer und Parkplatzwächter sein Buch "Online Ace" vorstellte war seine Reputation bereits so angewachsen - vom "hotshot kid" zu einem meiner lieblingsspieler - und das in so kurzer Zeit, dass ich beschloss das Buch ist die $20 wert, um zu sehen, was Scotty zu sagen hat. Ich muss sagen, dass er mein Interesse auch mit einer exzellenten Kolumne im "Card Players Magazine" über letzten paar Jahre geweckt hat.
Er nennt unzählige wertvolle Strategietips, besonders für single-table-sit-and-go´s. Er wirbt für eine Strategie, die ich lange für ideal hielt, die allerdings bisher von keinem Pro empfohlen wurde; Früh im turnier viele kleine Pötte vermeiden, stattdessen auf Premiumhände warten und es dann richtig krachen lassen und nach Möglichkeit alle Chips in die Mitte zu bringen und zu verdoppeln. Mit einem guten Chipvorsprung und je näher man der sog. "Bubble" (die letzten Plätze, die nicht bezahlt werden) kommt, soll man einen hochschalten und zu einem hyper-aggresiven style wechseln.
Fischman befasst sich auch eingehend mit anderen Aspekten des Online-Poker, beispielsweise gibt er gute Hinweise, wie man Ablenkung bei online Turnieren vermeidet. Er empfiehlt, nicht permanent während des Turniers die Ranglisten zu checken und seinen Stack mit dem durchschnittlichen zu Vergleichen, eine versuchung, der zu widerstehen vielen Spielern schwer fällt.
Seine wichtigsten Ratschläge sind in roten Kästchen in jedem Kapitel hervorgehoben. So sollen diese "Fußnoten" auch den Lesern zugänglich sein, die sonst nicht das gesamte Buch lesen würden.
Die vielleicht amüsanteste und zum Nachdenken anregende Passage, die ich je in einem Poker Buch gelesen hab befindet sich in einem der roten Kästchen auf Seite 95: "Während es gut ist, unvorhersehbar am Pokertisch zu agieren, ist es lang besser missverstanden zu werden."
Nachdem ich kurz über diesen Sokrates-trifft-Chruchill-trifft-Sklansky Kommentar kichern musste, hab ich die Zeile für einige sekunden sacken lassen und gemerkt, dass es durchaus viel Sinn ergibt. Dieses Statement soll den Leser zu Kreativität ermutigen, eine der schwierigsten Anstrengungen eines jeden Lehrplans. Fischman ermutigt den Leser im Grunde, beim Poker auch an den Grauzonen teilzuhaben und das Spiel nicht nur in "Schwarz" und "Weiss" zu sehen.
Es ist ein schwieriger Punkt, aber Fischman behandelt iihn mit überraschender Leichtigkeit, ähnlich wie er am Pokertisch mit seinem Geschick seine Gegner manipuliert. Für den Preis eines kleinen Onlineturniers bekommt man diese und einige andere Worte der Weisheit von einem anerkannten jungen Poker-Superstar.
| Kommentiere | übersetzen |












